Parkplatzüberdachung in Montreux

Gespannte Leichtigkeit – so könnte man die Parkplatzüberdachung am Bahnhof in Montreux kurz charakterisieren. Sie komplettiert eine zweigeschossige, unterirdische Parkanlage aus dem Jahre 1997 mit einer Membrankonstruktion, die den Kontrast zur massiv gebauten Umgebung sucht. Nicht nur ein neues Material, sondern eine völlig neuartige Konstruktion hält hier am Genfer See Einzug. Der prinzipielle Aufbau des Dachs scheint vertraut: Ein Druck- und ein Zuggurt aus Stahlprofilen ruhen auf eingespannten Stützen. Die Innovation liegt in einer Membran, deren Druckluftfüllung nicht die Dachlast aufnimmt, sondern die Stahlteile vorspannt und so stabilisiert. Dadurch konnten deren Querschnitte minimiert und das Gewicht im Vergleich zu einem Fachwerk etwa halbiert werden. Die patentierten Träger spannen über eine Breite von 28 Metern. Schräg stehende Stützen bringen die Last in die Decke des Parkhauses und steifen die Konstruktion in Querrichtung aus. Die längsseitige Fassade wird von einem Metallgewebe gebildet, das der Belichtung und Belüftung dient. Die Leichtigkeit der Konstruktion wird durch den Umgang mit Licht unterstrichen. Eine über die Träger gespannte Membran lässt am Tag diffuses Licht auf die Parkplätze fallen. Nachts können die Pneus in unterschiedlichen Farben illuminiert werden. Die Überdachung wird so zu einem Orientierungspunkt. Diese technische und gestalterische Fernwirkung wurde nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Planer möglich. Anfängliche Bedenken gegenüber den neuartigen Trägern konnten durch eine Machbarkeitsstudie ausgeschaltet werden. In einem Vorprojekt wurde gezeigt, dass sie auch im wirtschaftlichen Vergleich einer konventionellen Konstruktion gegenüber konkurrenzfähig sind. Die Standsicherheit wird durch ein telefon- und internetbasierendes System garantiert, welches einen Druckabfall in den Pneus sofort meldet. Sollte auch dieses versagen, sind die Träger so ausgelegt, dass sie ihr eigenes Gewicht und zehn Zentimeter Schnee ohne Druckluft tragen.

Parkplatzüberdachung in Montreux
© Gerhard Hagen