Baugruppenhaus in Berlin

Das Mehrparteienhaus im nördlichen, ruhigeren Teil von Berlin-Mitte fügt sich auf den ersten Blick unauffällig in die Blockrandbebauung ein. Bei genauerem Hinsehen erkennt man hinter hohen Bäumen eine klar gegliederte, vorgehängte Fassade, deren Variation in den Geschossen die unterschiedlichen Grundrisse der meist etagenweise organisierten Wohnungen widerspiegelt. Doch nicht nur die für ein Wohngebäude aufwändige Fassade verdient Beachtung, sondern auch der Prozess, der zu diesem stringent und zurückhaltend gestalteten Haus geführt hat. Da die Architekten nicht nur ein Projekt akquirieren mussten, sondern auch auf der Suche nach bezahlbarem, gut gestaltetem Wohneigentum in der Stadt waren, kamen sie auf die Idee, mit Gleichgesinnten eine Baugruppe zu gründen. Im Gegensatz zu manch ähnlichen Projekten, die viel institutionalisierter ablaufen, gab es weder öffentliche Fördergelder noch einen verdeckten Projektsteuerer. Das erforderte zwar von allen Beteiligten ein erhöhtes Engagement während des Planungs- und Bauprozesses. Dafür konnten sie neben der Fassade aus Faserzementtafeln und relativ großen Spannweiten für flexible Grundrissgestaltung einen weiteren, besonderen Luxus innerhalb eines vergleichsweise schmalen Budgets verwirklichen: eine große, zusammen genutzte Dachterrasse samt Gästewohnung mit Blick über Berlin. Den Gegenpol dazu bilden ein gemeinsamer Garten sowie private Balkone – mit unverbaubarem Blick zum rückwärtigen Friedhof.

Baugruppenhaus in Berlin
© Stefan Müller