Die belgische Stadt Liège ist ein wichtiger Knotenpunkt des europäischen Schienenverkehrs. Mit dem neuen Hauptbahnhof besitzt sie nun, nach einer Bauzeit von mehr als zwölf Jahren, einen den modernen Hochgeschwindigkeitszügen angemessenen Bahnhof, der mit seiner ungewöhnlichen Stahl-Glas-Konstruktion die Tradition der großen Bahnhofshallen Europas neu definiert. Bei der Planung verfolgte Santiago Calatrava von Anfang an das Ziel, die Züge vollständig in einer großen Bahnhofshalle unterzubringen, sodass nur überlange Fernzüge bis auf die verlängerten Bahnsteige mit ihren Perrondächern am südlichen Ende des Bahnhofs reichen. Zudem sollte das Gebäude die seit langem durch die Bahnlinie voneinander getrennten Stadtviertel Cointe und Guillemins, beide im Nordwesten Lièges, wieder stärker verbinden. Deshalb erhielt der insgesamt fast 490 Meter lange Bahnhof eine außergewöhnlich große Halle, deren etwa 160 Meter weit gespannte Tragwerksbögen sich längs, in Richtung der Gleise, erstrecken. Dadurch öffnet sich das gewölbte Dach mit seinen weit auskragenden Vordächern quer zur Bahnlinie zu den angrenzenden Stadtteilen und die Bahnsteighalle ist von beiden Seiten aus unmittelbar zugänglich. Da die Halle keine Fassade besitzt, prägt vor allem das Dach das Gesamtbild des Bahnhofs. In seiner transparenten Erscheinung rahmt es die Blicke der Ankommenden auf die Stadt und bezieht sich zugleich mit seiner flach gewölbten Form auf die nahen Hügel des vornehmen Stadtviertels Cointe.
