Das Pfadfinderheim St. Martin in Ludesch reiht sich ein in die Vorarlberger Tradition innovativer Holzbauarchitektur. Das Gebäude mit kubischer Formensprache positioniert sich am Rande des Grundstücks parallel zur Quartiersstraße. Damit entsteht eine klare Eingangssituation, gleichzeitig trennt das Gebäude das bewaldete Grundstück als ungestörten Spielbereich der Pfadfinder vom Straßenraum ab. Mit dem Projekt realisierten die Planer das Experiment, radikal einfach, energetisch sinnvoll und möglichst kosten-günstig zu bauen: Anders als das konventionelle Passivenergiehaus funktioniert das Gebäude ohne Dämmung der Außenfassa-den und ohne kontrollierte Lüftung. Großfor-matige Wärmeschutzverglasungen nach Norden gewährleisten den Sichtbezug in den Grünraum und eine gute Belichtung, während die minimierten Fensterflächen im Süden eine Überhitzung durch solare Einstrahlung verhindern. Die beiden Vordächer im Norden und Süden reichen als Sonnenschutz aus. Der gesamte Wärmehaushalt wird allein durch die solaren Erträge der Kollektoren der Südfassade und das dynamische Speicherverhalten der massiven Bauelemente reguliert. Zusammen mit dem Erdreich fungiert die ungedämmte Bodenplatte aus Beton als saisonaler Energiespeicher mit dem Vorteil, anders als konventionell dimensionierte Solarspeicher ein Vielfaches der solaren Energie aufnehmen zu können. Bisher hat sich das Energiekonzept am realisierten Objekt über eine Heizperiode positiv bewährt: Das dynamische Verhalten und die Durchlässigkeit des Massivholzes für den Transport von Feuchtigkeit gewährleisten im Sommer einen angenehmen Kühleffekt. Trotz fehlender Wärmedämmung zwischen Solarkollektoren und Massivholz wurde keine Überhitzung der Holzbauteile nachgewiesen. Solare Energieeinträge von 12.000 kWh für den Zeitraum Juni 2004 bis Januar 2005 sicherten eine Innenraumtemperatur von mindestens 16 °C. Der tatsächliche Energiebedarf des Pfadfinderheims beträgt damit lediglich ein Zehntel der nach herkömmlicher Berechnungsmethode angesetzten Energiekennzahl.
