Die Fabrikation und der Verkauf von Automobilen wird von immer mehr Herstellern in publikumswirksamen »gläsernen Manufakturen« oder Erlebniswelten inszeniert. Auch die neue Motorenhalle von Ferrari ist als offenes Gebäude konzipiert, das Einblicke von außen und Ausblicke der Mitarbeiter in die neu gestalteten Grünbereiche zulässt. Das neue Produktionsgebäude liegt am Eingang des Werksgeländes und ist Teil des Gesamtkonzeptes, bei dem räumliche Zusammenhänge wichtiger sind als spektakuläre Einzelgebäude. Die zum öffentlich zugänglichen Parkplatz orientierten Doppelfassaden nehmen die Abmessungen der gegenüberliegenden Windkanalanlage von Renzo Piano auf. Der Eingangsbereich mit Büros, kleinem Museum und Besucherbereich öffnet sich zur Erschließungsstraße und nimmt mit einer Freitreppe und einem großen Glastor ebenfalls Bezug zu Elementen dieses vor fünf Jahren errichteten Gebäudes. Aluminiumpaneele prägen die Fassaden sämtlicher Gebäude und sorgen für ein einheitlich edles Erscheinungsbild. Bei den Innenräumen der Halle standen dagegen Funktionalität und Kostenbewusstsein im Vordergrund. Einfache Details bei Stahltreppen, -stützen und -dachkonstruktion sorgen für eine helle unprätentiöse Arbeitsatmosphäre. Für Italien ungewöhnlich ist der Anspruch eines möglichst nachhaltigen Gebäudes, das mit Doppelfassaden, Wärmerückgewinnung und der Verwendung von recyceltem Aluminium und Stahl eher einem Verwaltungsbau gleicht als einer Fabrik. Um das Raumvolumen so gering wie möglich zu halten, haben die Architekten auf Nordsheds verzichtet und über zweischalige Oberlichter eine diffuse Belichtung erzielt. Trotz der vielen Öffnungen muss eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Maschinen verhindert werden, da Temperaturschwankungen zu Produktionsfehlern führen können. Bewegliche Jalousien an der Ostseite, fest stehende Horizontallamellen im Süden und die Verlegung der Serviceräume an die Westfassade schützen vor Überhitzung.
