Museum Sowjetisches Speziallager in Sachsenhausen

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin befand sich in den Jahren 1945 bis 1950 ein sowjetisches Internierungslager. Im so genannten »Speziallager Nr. 7/Nr. 1« wurden 60.000 Menschen gefangen gehalten, 12.000 von ihnen starben an Krankheiten oder Hunger. An die Opfer des sowjetischen Geheimdienstes erinnert seit Ende 2001 der Museumsneubau auf dem Lagerareal. Der dunkel glänzende, flache Baukörper liegt direkt an der Mauer des Konzentrationslagers, zwischen Friedhof und ehemaligen Gefangenenbaracken. Um die bestehenden niedrigen Gebäude nicht zu überragen, ist der eingeschossige Quader in den Boden eingelassen. Das Gebäude nimmt sich in seiner äußeren Gestalt stark zurück und spiegelt in den glatten Betonwänden, die mit einer Hydrophobierung versehen wurden, die kargen baulichen Zeugnisse und die landschaftliche Tristesse wider.

Museum Sowjetisches Speziallager in Sachsenhausen
© Jörg Hempel

Der monolithische Baukörper ist bis auf schmale Öffnungen an den Ecken völlig geschlossen. Den diagonal eingeschnittenen Eingang markiert die in das Gebäude eingezogene Außenwand. Sie leitet durch den zurückversetzten Windfang ins Innere. Rampe und Treppe führen hinab in den um einen Meter abgesenkten Ausstellungsraum, von dem der Seminarbereich und der Medienraum mit Glaswänden abgetrennt sind. Die Decke des 660 m² großen, stützenfreien

Innenraums wird geprägt von Stahlträgern, die dicht gereiht nebeneinander liegen. Die nur 15 cm schmalen Trägerzwischenräume filtern das Tageslicht, das durch das Glasdach aus kalt vorgebogenen Scheiben einfällt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur eine beklemmende Raumwirkung: Wie durch Gefängnisstäbe blickt man in den Himmel. Den Eindruck des Eingeschlossenseins verstärken die Wandoberflächen. Im Kontrast zu der reflektierenden, immateriell wirkenden Außenschale sind die innenseitigen tragenden Betonfertigteile rau und betonen die Massivität. Um diese texturierte Oberflächenstruktur zu erzielen, wurden die Schalungen mit einem säurehaltigen Kontaktverzögerer beschichtet und die noch nicht ausgehärtete Zementoberfläche am nächsten Tag ausgewaschen. Die Fugen zwischen den Fertigteilen sind im Inneren gut sichtbar und auf das Trägerraster abgestimmt. In der äußeren Vorsatzschale ist die Fugenanzahl dagegen durch Elementgrößen von 6,64 × 2,75 m reduziert und durch eingesetzte Silikonprofile optisch minimiert. Dies unterstreicht den monolithischen Charakter. Die zweischalige Bauweise ermöglichte zudem die präzise, scharfkantige Ausführung der äußeren Hülle. Nach der Montage wurde die Oberfläche der anthrazit durchgefärbten Außenschale vor Ort dreimal mit hochglänzender Hydrophobierung besprüht, um den reflektierenden Effekt zu realisieren.

Architektur
schneider+schumacher
Standort
Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg (DE)

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