Tadao Ando erklärte einmal zur Qualität seiner Sichtbetonwände, sie seien abstrakt, ohne Präsenz, nur der Raum, den sie um-schließen, gebe ein Gefühl wirklichen Existierens. Ein Gefühl der Abstraktheit vermittelt auch dieses Wohn- und Atelierhaus im Münsterland. Sichtbeton und die strenge modulare Ordnung verstärken sich hier gegenseitig. Das Gebäude schafft durch Material und Form Distanz zur umgebenden traditionellen Bebauung und ist für die Bewohner ein privates Refugium mit starkem Bezug zur Natur. Der zweigeschossige Bau fasst neben den Wohnräumen zwei Atrien, die eine Übergangszone zwischen innen und außen darstellen und durch große Öffnungen den Dialog mit der Natur aufnehmen. Deren Umfassungsmauern sind wie der Hauptkubus in Sichtbeton gehalten und geben dem Gebäude eine lang gestreckte Form. Dieses ist in seinen tragenden Teilen in Stahlbeton konstruiert, die Fenster werden von pulverbeschichteten Aluminium-Profilen gerahmt. Das Flachdach ist über der Mittelzone etwas angehoben, um im Obergeschoss die nötige Raumhöhe zu erreichen, die hochgezogene Attika verdeckt den Metallaufbau großteils. Grundriss und Schalfugen sind einem modularen Raster untergeordnet, das den gesamten Bau gliedert und sowohl in den Wänden als auch im Boden ablesbar ist. Während sich das Haus nach außen trotz großer Fensterflächen abweisend und kühl präsentiert, sind die Innenräume warm gestaltet. Die kubischen Formen der Fassade setzen sich innen fort, die gewählten Materialien und Farben nehmen ihnen aber die Härte. Die Betonflächen sind verputzt, Wände und Decken in beige und weiß gehalten, womit der dunkle Braunton des Wengeparketts harmoniert. Eine Treppe aus geschweißtem Stahlblech verbindet die beiden Geschosse, die Brüstungen sind homogen in Stahlbeton weitergeführt und mit einer Glasplatte belegt. Das Blau der Treppenhauswand bietet den einzigen Akzent inmitten der zurückhaltenden, fast neutralen Gesamtgestaltung.
