Wohnanlage in Dornbirn

Nähert man sich von Nordwesten dem weiß schimmernden Monolithen auf dem neuen Campus der zweitältesten Universität Europas, so deutet wenig auf ein Studentenwohnheim hin. Die siebengeschossige Fassade weist keine Öffnungen auf, erst die holzbekleidete Südwestseite offenbart das Innenleben dieses weithin sichtbaren Gebäudes. Auf dem kleinen Grundstück, einer dreieckigen Restfläche zwischen zwei Straßen, sollte eine hohe Zahl an Apartments errichtet werden. Dieser Anforderung konnte durch eine kompakte, die maximal zulässige Gebäudehöhe nutzende Scheibe an der Westseite des Grundstücks entsprochen werden. Neben den Erschließungsbereichen, die wie ein Rückgrat auf der geschlossenen Gebäudeseite liegen, beherbergt das Wohnheim 52 nach Osten und Süden ausgerichtete Einzimmerapartments. Jeweils zwei Apartments teilen sich Duschbad und Toilette. Die Fassade besteht aus einer Bekleidung mit glatten Holzpaneelen von jeweils 80 cm Breite in drei verschiedenen Höhen. Jedes Apartment besitzt ein Fenster mittlerer Paneelhöhe und doppelter Paneelbreite mit zwei Holzklappläden. Im Wechsel zwischen geschlossen und geöffnet wirkt diese Fassadenseite belebt und verändert sich unentwegt durch den Lebensrhythmus der Bewohner. Einen spannungsvollen Kontrast dazu bilden die weitgehend fensterlosen Betonsteinfassaden. Die vorgefertigten mattweißen Hohlblocksteine der Vormauerschale haben eine raue Oberfläche, die das Sonnenlicht unregelmäßig reflektiert und der Fassade eine schimmernde Struktur verleiht. Schmale horizontale Schlitze dienen zur Belichtung der Gemeinschaftsräume. Sie stellen die einzigen Öffnungen in den hellen Betonsteinflächen dar, die sich in ihrer Materialität zwar auf die Betonfassaden der anderen Universitätsgebäude beziehen, durch die außergewöhnliche Verarbeitung jedoch zugleich einen eigenständigen Charakter zum Ausdruck bringen. Ein lang gestrecktes zweigeschossiges Sockelgebäude im Süden und eine Mauer zur nördlich verlaufenden Straße binden das »Hochhaus« in den Stadtraum ein.

Wohnanlage in Dornbirn
© Eduard Hueber