Die nordwestliche Ecke der iberischen Halbinsel auf der Höhe von Santiago de Compostela ist der westlichste Punkt Europas. »Finisterre«, das Ende der Welt, nennen die Einheimischen diesen Küstenabschnitt. Die karge Felslandschaft und die Weite des Meeres dienten als Inspiration für die Granitkuben, die wie herabgestürzte Felsen oder angeschwemmtes Strandgut entlang des gewundenen Weges aufgereiht sind. Den Rahmen für das Zusammensein von Verstorbenen und Hinterbliebenen sollte eine Architektur bilden, die in Einklang mit der Natur steht. In jedem der Granitkuben sind zwölf Gräber untergebracht, ein eingezogener Vorbereich schützt vor Sonne, Wind und Regen und gibt den Hinterbliebenen die nötige Privatsphäre. Die sechzehn bisher errichteten 3,30 Meter hohen und 5 Meter langen Grabkammern öffnen sich zum Meer hin. Die Konstruktion massiver Steinplatten, die nur dank der Schwerkraft und einer dünnen Mörtelschicht miteinander verbunden sind, beruht auf einer langjährigen galizischen Tradition, die in Vergessenheit geriet und durch César Portela wiederbelebt wurde. Die Bodenplatten sind durch Sockel aus Bruchsteinmauern vom Gelände abgesetzt und auf die Fundamentplatte aus Beton aufgelegt. Darauf stehen die Wände, die ebenfalls aus massiven ca. 20 cm dicken und 72 cm breiten Platten aus grauem Mondariz-Granit gebildet werden, der in der Umgebung gebrochen wird. Das Gewicht der Dachquader stabilisiert die Wände ohne weitere Aussteifung. Aufgrund der hohen Dichte des Gesteins dringt kein Wasser in die Platten ein, daher bildet sich auch kein unerwünschter Bewuchs auf den rauen geflammten Oberflächen. Drei der Granitkuben sind um einen Platz gruppiert und werden bergseitig erschlossen. Sie beinhalten eine Kapelle und einen Autopsiebereich. Geschwungene mit Cortenstahl verkleidete Wände erweitern hier die schlichten steinernen Räume und schaffen eine differenzierte sakrale Lichtführung. Naturstein prägt auch das Erscheinungsbild der Außenanlagen mit Bruchsteinmauern, Sitzbänken und großformatigen Bodenplatten.
