Nach dem Fall der Berliner Mauer sollte das Areal der ehemaligen »Ministergärten« nördlich des Leipziger Platzes wieder eine Nutzung erhalten, die an seine politisch bedeutsame Tradition anknüpft: Seit dem frühen 19. Jh. befanden sich hier zu Ministerien umgebaute Palais, umgeben von englischen Landschaftsgärten, in denen sich Staatssekretäre und Minister zu informellen Gesprächen treffen konnten. Im 2. Weltkrieg wurde das Gelände zusammen mit Hitlers Reichskanzlei, die an der Südseite entstanden war, zerbombt. Seit 1961 war es vollständig geräumtes Grenzgebiet. Noch in den 80er-Jahren entstanden an der Ostseite Wohnbauten in Plattenbauweise. Der 1993 angenommene städtebauliche Entwurf sah im südlichen Teil des Areals Vertretungen aller 16 Bundesländer in zwölf Einzelhäusern vor. Einige Bundesländer bezogen dann jedoch Altbauten in der Friedrichstadt, für die übrigen entstanden Neubauten unterschiedlicher Architekten, verbunden durch ein neues, öffentliches Wegenetz. Die Vertretung von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern planten die Architekten als zwei gegeneinander verschobene L-förmige Baukörper, die eine zentrale, glasgedeckte Halle umfassen, welche beide Vertretungen für Veranstaltungen nutzen. An der Westseite schiebt sich ein flacher Sitzungs- und Vortragssaal in den Garten. Vorgelagerte, durch Rankstelen gefasste Terrassen vermitteln zwischen Architektur und Gartenanlage. Raumhoch verglaste, ebenerdige Besprechungsräume an den Enden der Gebäudeflügel wirken wie aus den massiven Baukörpern herausgeschnitten. Die Nutzungen sind klar gegliedert und geschossweise im Gebäude verteilt: Über den Veranstaltungs- und Besprechungsräumen im Erdgeschoss liegen in den Obergeschossen die Geschäftsräume der Landesvertretungen. Die überschaubare Anordnung erlaubt eine öffentliche Zugänglichkeit trotz Sicherheitsanforderungen. Über die Halle erreicht man zwei Lokale im Untergeschoss, jeweils mit Gartenzugang. Die Fassade der Gebäudeflügel besteht aus vorgehängten, spaltrauen Schieferplatten in strengem Raster, belebt durch ein reizvolles Wechselspiel mit den hölzernen Fensterelementen. Die Position der geschlossenen Paneele aus Bootssperrholz variiert je nach dahinter liegender Nutzung. Details und Anschlüsse sind so ausgebildet, dass Holz, Glas und dunkler Stein möglichst unmittelbar nebeneinander stehen und die Reduktion auf drei Elemente bei Material- und Farbwahl klar zutage tritt. Die zurückgesetzte Attika und umlaufende Natursteinbänder vor den Decken gliedern die Baukörper horizontal, im Kontrast zur vertikal aufstrebenden Stahlbetonkonstruktion der Halle im Innern.
