Als diakonisches Unternehmen verfügen die Zieglerschen Anstalten über Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg. Eine davon ist das Fachkrankenhaus Ringgenhof, eine Rehabilitationsklinik für Suchtkranke in Wilhelmsdorf. Für die Therapie der Patienten spielen Andacht und Gebet eine wichtige Rolle. Deshalb iniziierte und finanzierte eine Gruppe ehemaliger Patienten einen großen Teil der neuen »Kirche am Weg«. Der Name ist dabei sowohl wörtlich als auch im über-tragenen Sinn als »Lebensweg« zu verstehen. Der schlichte Baukörper fügt sich in die orthogonale Struktur des Krankenhauskomplexes ein und definiert zugleich den Eingangsbereich neu. Ein schmales Dach verbindet die Kirche mit dem Altbau und weist den Weg zum Eingang. Der Gebetsraum soll den maximal 120 Besuchern die Möglichkeit zu Ruhe, Konzentration und Andacht bieten. Transparenz, Mehrschichtigkeit und Licht dienen als Leitmotive des Entwurfs. Der monolithisch wirkende Boden symbolisiert dagegen ein sicheres Fundament. Decke und obere Wandscheiben stülpen sich schützend über den Raum. Hinter der Birnenholzschalung verbergen sich Fachwerkträger, die eine stützenfreie Überspannung ermöglichen. Auch im Fassadenbereich legt sich die Verglasung ohne störende Pfosten wie ein Band um den ganzen Baukörper. Der Holzkubus scheint über dem Boden zu schweben. Die sandgestrahlte Netzstruktur des Glases, nach einem Entwurf der Künstlerin Saskia Schultz, verhindert Blendung und störende Einblicke. Die Pastelltöne tauchen den Raum in ein ruhiges Licht; hin und wieder finden sich Texte und Worte auf den Scheiben, laden den Betrachter zum Verweilen ein und bieten Denkanstöße. Das Motiv des Netzes findet sich auch in der Altargestaltung wieder: Das bronzene Metallgewebe verschwindet hinter der Decke scheinbar im Nichts und wird effektvoll durch ein Oberlicht hervorgehoben. Der Altar selbst ist ein schlichter Holzkubus, begleitet von einem ähnlich gestalteten Lesepult.
