Pfarrzentrum in Podersdorf

Eigentlich hätte die Barockkirche für die 2000 Einwohner von Podersdorf ausgereicht, wären da nicht rund 8000 Touristen, die den Ort am Neusiedlersee im Sommer besuchen. Vorübergehend hatte man sich mit vier Messen am Sonntag beholfen, aber schließlich entschloss sich die Gemeinde, das alte Pfarrheim abzureißen, um einem neuen Zentrum mit Gottesdienstraum und Pfarrheim Platz zu machen. Die alte Kirche blieb erhalten und wird für Werktagsgottesdienste genutzt. Die Architekten hielten sich nicht an die Vorgabe, den Bau an die ortsübliche ostwärts gerichtete Struktur anzupassen. Die Querstellung des Gebäuderiegels im Grundstück überzeugt dennoch, da auf diese Weise beidseitig Situationen unterschiedlicher Qualitäten entstehen: ein »städtischer« Platz zwischen Barockkirche und Pfarrhaus und eine Festwiese am Rande der Felder. Ein öffentlicher Weg führt durch das Gebäude und macht es von beiden Seiten zugänglich. Im transparent gestalteten Durchgang zwischen den weißen Kuben des Mess- und Pfarrraums liegt der gläserne Windfang. Beidseitig davon bilden zwei offene Atrien die Vorzone zu Platz und Wiese. Eine etwa 40 m lange, mit Texten und Bibelzitaten bedruckte Glaswand, die vom Pfarrsaal bis zum Altbau beidseitig durchläuft, verbindet die Bereiche. Der dem Zisterzienserorden angehörende Pfarrer legt großen Wert auf einen gemeinschaftlichen, offenen Messraum, die Sitzbänke sind deshalb halbkreisförmig um steinernen Altar und Ambo gereiht, die scheinbar gleichwertig nebeneinander stehen. Zum Altar hin senkt sich der Boden ab, die Decke steigt an, Streiflicht aus schmalen Decken- und Wandschlitzen erzeugt eine konzentrierte Stimmung und unterstützt den reduzierten Raumeindruck. Vor die Glasfläche gegenüber dem Altar kann bogenförmig ein Vorhang gezogen werden, um den Raum in eine kontemplative Schatulle zu verwandeln. Unter dem geschliffenen Terrazzoboden sorgt ein Erdkanal mit 500 m² Fläche für eine energiesparende Luftverteilung.

Pfarrzentrum in Podersdorf
© Margherita Spiluttini