Kloster bei Innsbruck

Abgeschiedenheit und Stille sind für den kontemplativen, asketischen Orden der Karmelitinnen wichtige Voraussetzungen des Alltags. Leitbild des Ordens ist der Prophet Elias, der auf dem heiligen Berg Karmel als Einsiedler lebte. Der Karmel St. Josef wurde 1846 am Stadtrand von Innsbruck gegrün-det und in dem zum Kloster umgebauten Memminger Schlössl untergebracht. Dort entstand im Laufe der Jahrzehnte ein neuer Stadtteil und die Schwestern erwirkten einen Neubau in Hanglage, weit entfernt vom Lärm und Trubel der Stadt. Die Anforderungen, welche Klausur, Ordensregeln und wechselnde Ansprüche mit sich bringen, nahmen entscheidenden Einfluss auf die Bauform des Klosters. Der angegliederte Gästetrakt sollte beispielsweise mit dem Klausurbereich verbunden sein, damit auch Gläubige, die sich hier der Meditiation und dem Gebet widmen, in Kontakt zu den Schwestern treten können. Zugleich sollte die interne Zone jedoch so geschlossen wie möglich gestaltet werden. Die Architektin musste daher von der ursprünglichen Entwurfsidee, den innenliegenden Hof nach außen zu öffnen und Bezüge zur Umgebung herzustellen, Abstand nehmen. Es stellte sich heraus, dass die Anlage eines zentralen Kreuzgangs nach traditionellem Muster die meisten Bedürfnisse abdeckt. In der Kapelle wurde zunächst das Modell eines Communio-Raums umgesetzt: elliptisch gruppierte Stuhlreihen, in deren Brennpunkten Tisch und Ambo angeordnet sind, wobei die Mitte frei bleibt. Die mobilen Elemente wie Stühle, Altar, Ambo und Tabernakel können problemlos umgestellt werden. Das Klausurgitter trennt den Chor der Schwestern von dem der Gäste, ohne die Sicht zu verstellen. Tabernakel und Ambo bleiben immer auf der Seite der Nonnen, während der Altar auch im Laienchor stehen kann. Dieser soll in Zukunft durch Versetzen des Gitters erweitert werden. Sowohl private als auch gemeinschaftliche Bereiche sind auf Wunsch der Schwestern hermetisch und introvertiert gestaltet, Blickverbindungen und Öffnungen auf ein Minimum reduziert. Die Folge ist eine sehr strenge Zellenstruktur, die die klösterliche Ordnung widerspiegelt. Im Moment leben nur neun Nonnen in St. Josef, obgleich der Orden 21 Mitglieder in jedem Kloster erlaubt. Gebet und Kontemplation bestimmen den Tagesablauf. Mit dem Verzieren von Kerzen und Backen von Hostien sichern die Nonnen ihren sonst nur durch Spenden unterstützten Lebensunterhalt.

Kloster bei Innsbruck
© Markus Bstieler