Brasserie in New York

Für das 1954–58 von Ludwig Mies van der Rohe errichtete Seagram Building hat Philip Johnson im Rahmen der Innenraumgestaltung das Four Seasons Restaurant und eine Brasserie im Untergeschoss des Gebäudes entworfen. Letztere ist vor fünf Jahren abgebrannt und nun von Diller und Scofidio neu gestaltet worden. Eine gläserne Treppe verbindet das Foyer mit der Brasserie und inszeniert den Eintritt des Besuchers zum Auftritt. Birnensperrholzelemente dominieren den Raum. Die Treppe durchschneidet eine Stirnseite der Holzschale. An den offenen Seiten befinden sich links der Treppe Sitznischen, ihnen gegenüber liegt die Bar. Ihre Rückwand ist als raumhoher Leuchtkasten ausgeführt, der das Getränkeangebot der Brasserie präsentiert. Hinter Schiebeelementen aus transluzentem Glas sind einzelne Flaschenhalterungen vor hinterleuchtete, ebenfalls durchscheinende Paneele montiert. Auf der Rückseite der Bar ist ein kleiner separater Restaurantbereich angegliedert. Die Brasserie lebt von ihren Ausbauelementen, die dem Raum mit ihren geschwungenen Formen seinen nüchternen Charakter nehmen. Sie sind als hölzernes Band eingestellt. Leicht nach hinten geneigte Formteile bilden an ihrem unteren Ende die Sitzflächen aus. Im oberen Bereich wölben sie sich den überlappenden Deckenelemente entgegen. Den Bodenbelag bilden Holzdielen, die mit ihren aufgebogenen Rändern scheinbar in die Sitzmöbel übergehen. Bei der Innenraumgestaltung spielt der Aspekt des Sehens und Gesehenwerdens eine große Rolle. Jeder Gast wird beim Betreten des Gebäudes gefilmt; sein Bild wird auf den ersten der fünfzehn über der Bar angebrachten LCD-Monitore übertragen, sodass der Besucher schon vor Betreten des eigentlichen Restaurantbereichs dort sichtbar ist. Er selbst kann an der im Foyer liegenden Garderobe über einen Monitor die vorbeieilenden Passanten auf der Straße beobachten. Die Brasserie hat innerhalb kürzester Zeit an ihre früheren Glanzzeiten angeknüpft und ist in New York wieder zu einem Szenetreff geworden.

Brasserie in New York
© Michael Moran Photography