Kleiderladen in London

Haute Couture als Quelle architektonischen Schaffens – dies machten sich Future Systems zum Thema, als sie von einer italienischen Modefirma den Auftrag erhielten, ein neues Konzept für ihre Shops zu entwickeln. Einzeln stehende Läden sollten dabei ebenso berücksichtigt werden wie Boutique-Einheiten in großen Kaufhäusern. In Tokio wurden bereits drei Geschäfte fertig gestellt, ein weiteres wird gerade für Mailand erdacht. Die Inspiration für die Gestaltung der Räume fanden die Architekten in den Kleidungsstücken selbst, deren Texturen, Farben, Kompositionen. Eine Innenraum-Landschaft zu kreieren, in der Kleider, Schuhe und Accessoires essentieller Bestandteil der Gesamtkomposition sind, war das Ziel. In dem neuen Geschäft in London, das im Herbst letzten Jahres eröffnet wurde, werden die Kleider auf einer organisch geformten, weißen Insel präsentiert, die 75 mm über dem Boden »schwimmt«. Dieser ist in tiefes Blau getaucht, die selbe Farbe, die auch Decke und Wände tragen. Durch diese Einheitlichkeit schmelzen die Raumkonturen optisch zusammen. In Abstimmung auf neue Kollektionen oder die Jahreszeit kann die Farbe immer wieder variieren. Die Form der weißen Insel wird an der Decke von polierten Edelstahlblechen aufgenommen. Alle Elemente des Ladens spiegeln sich darin und das Gefühl, in einem rechtwinkligen Raum zu stehen, geht verloren. Kleidungsstücke und Accessoires hängen an skulptural geformten Bügeln aus Acrylglas und sind als Einzelstücke ausgestellt. Nur maximal drei Kleidungsstücke zieren je einen langen, gebogenen Edelstahlarm. Das ermöglicht dem Kunden, das Stück von allen Seiten betrachten zu können. Eine weitere Stange schwingt sich dynamisch entlang des Inselrands und weitet sich an ihrem Ende zur Verkaufs- und Ausstellungstheke aus. Die Computerkasse verbirgt sich für den Käufer unsichtbar unter dem polierten Metall. Die Kleiderbügel hängen an Haken unter dieser Stange, die dadurch optisch kontinuierlich durchläuft und eine Sinuskurve nachzeichnet. Von der Straße aus wirken die Kleidungsstücke als würden sie an den Bügeln und Stangen ziehen, wodurch der organisch fließende Raum scheinbar in Bewegung gerät.

Kleiderladen in London
© Richard Davies