Mahnmal und Museum am Judenplatz in Wien

Über Jahre hinweg wurde die Holocaust-Gedenkstätte am Wiener Judenplatz von Politikern und Denkmalschützern heiß diskutiert. Nach sechs Jahren Planungs- und Bauzeit ist sie nun fertig gestellt. Die Stätte umfasst das umstrittene Mahnmal der Künstlerin Rachel Whiteread – ein geschlossener, vom Platz aus nicht zugänglicher Monolith. Seine Wände erinnern an Bücherregale, in denen die Buchrücken zur Wand zeigen. Zwar bildet dieses Bauwerk heute das zentrale Element des Judenplatzes, doch von Bedeutung sind auch die Mauerreste einer 1421 zerstörten Synagoge, die jetzt unter dem gebauten Kunstwerk liegen. Da die Ruinen nicht unmittelbar an die Schreckenstaten des Holocausts während des Zweiten Weltkriegs erinnern, war die Integration der Ausgrabungsstätte umstritten. Einen Präsentationsraum für diese Mauerreste zu entwerfen, war Teil der architektonischen Aufgabe. Zugänglich ist der Raum über eine Treppe, die in einen unterirdischen Gang mündet. Dieser führt in ein Gebäude aus der Barockzeit, welches früher den Misrachi, einer religiösen jüdischen Vereinigung gehörte. Dort ist heute das Museum untergebracht, in dem das Leben der Juden in Wien mit Originaldokumenten und Computerrekonstruktionen gezeigt wird. Der Innenausbau des Museums ist klar und zurückhaltend gestaltet. Die neu eingefügten Bauteile rücken bewusst vom Bestand ab, Installationen bleiben durchwegs hinter Verkleidungen, meist Stahlblechen, verborgen.

Mahnmal und Museum am Judenplatz in Wien
© Werner Kaligofsky