Fußgängertunnel in Prag

Die meisten Besucher des Hradschin steigen von der Stadt über die alte Schlossstiege im Osten hinauf zur Prager Burg. Mit der vom früheren Staatspräsidenten Václav Havel initiierten Neuordnung des Areals und der Öffnung des Hirschgrabens für die Öffentlichkeit entstand ein zusätzlicher, intimerer Fußweg vom Ufer der Moldau hinauf zur Burg – abseits der Touristenströme. Als landschaftsarchitektonisches Projekt gestaltet, verläuft der Weg durch den Naturraum des Hirschgrabens im nördlichen Vorfeld der Burg, mal über steinerne Platten, mal über kleine Stahlbrücken oder auf hölzernen Stegen geführt. Teil dieses Weges ist ein Fußgängertunnel, der den Berg unterhalb der Pulverbrücke durchquert und so den unteren Hirschgraben mit dem oberen verbindet. Nachdem der Graben im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert seine ursprüngliche Funktion verloren hatte, war der Luftraum unter der Brücke mit Erde aufgeschüttet worden. Durch diesen mächtigen Wall führt der schmale, 84 Meter lange Durchgang. Durch seinen elliptischen, aufrecht stehenden Querschnitt wirkt der Tunnel alles andere als beengt. Das Innere wird von der Oberfläche des Gewölbes aus Klinkerziegeln bestimmt, rhythmisches Streiflicht aus Bodeneinbauleuchten verstärkt deren Textur. Der Bodenbelag besteht zur Hälfte aus vorgefertigten Betonelementen mit ausgewaschener Oberfläche, daneben decken Gitterroste das Flüsschen Brusnice ab, das den Fußweg im Tunnel begleitet. An beiden Tunnelenden leiten drei Meter tiefe Sichtbetonportale von der rechteckigen Form der Eingänge zum ovalen Querschnitt der Tunnelröhre über. Flankiert werden die Zugänge von Stützwänden aus Sichtbeton. Durch Einlegen von Jutestricken erhielten sie eine poröse Oberfläche, ideal für das Anwachsen von Moos. In Tunnelmitte zweigt eine Nische ab, die Zugang zu einem der ursprünglichen Brückenpfeiler aus der Renaissancezeit bietet. Hier besteht die Wandoberfläche aus Zementglattstrich, eingestreute Flusskiesel bilden den Bodenbelag.

Fußgängertunnel in Prag
© Jan Maly