Nelson Mandela Museum in Mvezo

Anders als beim bisherigen Museum in Qunu, wo unter anderem die Geschenke an den Unabhängigkeitskämpfer und früheren Präsidenten von Südafrika Nelson Mandela ausgestellt wurden, beschränkt sich das Kulturprojekt nicht auf konservatorische Funktionen. Bei dem neuen Konzept wird das Bauen als permanenter Prozess verstanden, der teils dem Aufbau infrastruktureller Maßnahmen dient, teils der sozialen Organisation. So wurden die drei Standorte Umtata, Qunu und Mvezo, die ca. 800 km südöstlich von Johannesburg am neuen Highway N2 liegen, durch unterschiedliche kulturelle Einrichtungen verbunden. Dadurch konnten – besonders für Frauen – kurzfristige Jobs am Bau und langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten im Tourismusbereich geschaffen werden. Die Verwendung von traditionellem Gitterflechtwerk und Steinbau ermöglichte den Einsatz ungelernter Arbeiter. Das Gebäude in Umtata, in dem das eigentliche Museum untergebracht ist, war einst Sitz der Kolonialregierung und während der Apartheid der gesetzgebenden Versammlung der Transkei. Gerade hier soll der Kampf gegen die Regime der Unterdrückung dokumentiert werden. Im Bezirk Qunu verbrachte Mandela seine frühe Kindheit und beabsichtigt, in eine der 18 Ortschaften zurückzukehren. Hier wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung, Regierung und Architekten das Programm für ein Jugend- und Bildungszentrum erstellt. Mvezo, der Geburtsort Mandelas, liegt etwa 30 Kilometer von Qunu entfernt. In den 60er-Jahren wurde das Dorf von der Regierung gewaltsam geräumt, heute sollen die kreisförmigen Grundmauern der Wohnstätten erhalten werden. Ein Informationsstand ist prägnanter Ausgangspunkt für den Rundgang, der das Leben von Nelson Mandela darstellt: den »langen Weg zur Freiheit«. Ein aufgeständerter Holzsteg und eine Steinplattform sind als neue Orte der Kontemplation deutlich von den Besucherwegen und den Ruinen unterschieden. Zusätzlich wurde ein Wasserreservoir und eine beschattete Waschgelegenheit als weiterer öffentlicher Ort errichtet, der die Menschen, die bisher ihr Wasser in Kanistern vom Fluss holen mussten, aus den verstreuten Dörfern zusammenbringt.

Nelson Mandela Museum in Mvezo
© Mark Lewis