Lichtsäule in Washington

Der Firmensitz der internationalen Kanzlei Morgan Lewis in Washington beeindruckt durch ein ungewöhnliches Gestaltungselement: eine solare Lichtsäule. Das ursprünglich 12-geschossige Gebäude wurde, den Mieterbedürfnissen entsprechend, um zwei Etagen aufgestockt und seitlich erweitert; im Anbau an das Nachbargebäude entstand ein Innenhof von etwa 20 × 2,5 m und 50 m Höhe, zu dem sich die Anwaltbüros sowie eine Bibliothek orientieren. Um die Nutzbarkeit der Räume bei ausreichender Helligkeit und angenehmer Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, entwickelten die Architekten James Carpenter und Davidson Norris die etwa 36 m lange »Lichtsäule«, die von der Atriumsüberdachung bis 4,5 m über den Boden reicht. Die zweischalige Röhre mit ca. 2 m Gesamtdurchmesser erhellt das Atrium gleichmäßig bis ins Erdgeschoss und leuchtet die Arbeitsplätze mit Tageslicht aus. Die Außenhaut besteht aus Kunststoffgewebe, der Kern aus Glasprismen, die in Stahlrahmen gehalten und über radial angeordnete Stäbe fixiert sind. Der Glaskern verjüngt sich von oben nach unten von etwa 175 cm auf 50 cm Durchmesser. Ein beweglicher, dem Lauf der Sonne folgender Heliostat auf dem Dach lenkt das Tageslicht über einen Umlenkspiegel in den Glaskern, wo die einzelnen Prismen das Licht nach unten reflektieren; manuell justierbare Einzelspiegel sorgen für eine homogene Ausleuchtung der Röhre. Am unteren Ende der Röhre projizieren die gebündelten Sonnenstrahlen ein sich ständig wandelndes Lichtmuster auf den Boden. Die Konstruktion ist am Dach abgehängt und am unteren Rand seitlich über Zugseile an der Innenfassade fixiert. Die »Lichtsäule« ist ein dynamischer Blickfang und macht den Rhythmus der Tages- und Jahreszeiten durch die sich verändernden Lichtverhältnisse spürbar. Bei bedecktem Himmel lenken leistungsstarke Strahler auf dem Dach Kunstlicht über die Spiegel in die Röhre; nachts werden wechselnde Lichtfarben verwendet und geben der »Lichtsäule« einen skulpturalen Charakter.

Lichtsäule in Washington
© Raimund Koch