Hochregallager in Lüdenscheid

Anspruchsvolle Industriegebäude sind immer noch die Ausnahme. Kostenersparnis und einfache Funktionalität zählen meist mehr als Architektenvisionen oder Firmenimage. Alles was über einen Mindeststandard hinaus geht, ist deshalb oft nicht umsetzbar. Auch der Gebäudekubus des Hochregallagers in Lüdenscheid ist denkbar einfach gehalten, doch die Gestaltung übertrifft einen durchschnittlichen Industriebau bei weitem, und die Aufgabe, zwei bestehende Produktionsgebäude um ein Palettenlager zu ergänzen, ist funktionell überzeugend gelöst. Licht spielt nicht nur in der Produktpalette des Bauherrn, ein internationaler Leuchtenhersteller, eine grundlegende Rolle, sondern auch beim Fassadenkonzept. Die Architekten arbeiteten von Anfang an mit dem Lichtgestalter Uwe Belzner zusammen. Entwurfsidee war es, eine Tag- und eine Nachtfassade zu gestalten. Bei Tag ist die Lichtwirkung schwer zu beeinflussen: Die Gebäudehülle reagiert durch die Fassadenverkleidung mit nach außen geöffneten U-Profilgläsern auf das unterschiedlich einfallende Tageslicht. Dabei changiert nicht nur der Farbton, auch der Grad der Transparenz verändert sich. Für das nächtliche Erscheinungsbild entwickelte das Team eine Beleuchtung, die Hinweis auf den Inhalt des Gebäudes gibt: Leuchtstoffröhren, die in Längsreihen hinter der Fassade angebracht sind, erinnern an den Strichcode der Produkte. Um die Prozesse im Inneren – stapeln, lagern, ordnen – zu symbolisieren, leuchten die Röhren im Wechsel verstreut oder übereinander in Reihen geordnet. Auch die Regalbediengeräte sind Bestandteil des Entwurfes: Das angebrachte Lichtsystem macht ihre Bewegung sichtbar. Die Profilverglasung der Längsseiten ist ein speziell für dieses Projekt entwickeltes doppelschaliges System im Prinzip einer Structural-Glazing-Konstruktion. Die Giebelseiten sind dagegen mit Isolierglasscheiben von 2,2 × 4,5 Metern versehen, die nur horizontal durch Klemmprofile gehalten werden. Vertikale Stöße sind lediglich mit Silikon versiegelt, um zu erreichen, dass das Tageslicht möglichst tief in das Gebäude vordringen kann. Sechs durchlaufende Oberlichtbänder ermöglichen es zudem, auch im mittleren Bereich des knapp 30 × 74 Meter großen Gebäudes mit natürlichem Licht zu arbeiten. Die Andienung der Paletten im Vorbereich wie die Ein- und Auslagerung im Hochregallager erfolgen vollautomatisch; lediglich Teilmengen werden manuell entnommen und zur Montage weitergeleitet. Das Lager selbst ist in Silobauweise ausgeführt, d.h. die Regale stellen gleichzeitig die Stahlskelettkonstruktion der Halle dar. Nur Treppenhaus und Technikbereiche sind in Massivbauweise erstellt. Diese verschwinden im Gelände – das transparente Erscheinungsbild des Gebäudes wird nicht gestört.

Hochregallager in Lüdenscheid
© Jörg Hempel