Der ADAC, Europas größter Automobilclub, schrieb 2004 für seine neue Hauptverwaltung einen Wettbewerb aus, den Sauerbruch Hutton durch überzeugenden Städtebau und die wirtschaftliche, flexible Grundrissorganisation gewannen. Obwohl Bauherr und Architekten sich 2009 wegen unüberwindbarer Differenzen trennten, wurde die ursprüngliche Planung weitgehend umgesetzt. Klar sichtbar ist die Handschrift der Architekten in den 22 verschiedenen Farbtönen des 92 Meter hohen Turms, wobei das typische ADAC-Gelb dominiert. Direkt neben die Bahntrasse gesetzt, verursacht der scheinbar frei auf einem geschwungenen Sockelbau balancierende Turm kaum Verschattungen. 1152 verschiedene Fassadenelemente in jeweils anderer Farbkombination bilden seine Doppelfassade. Jedes der geschosshohen Elemente besteht aus einer absturzsicheren Isolierverglasung und einer davor gesetzten Prallscheibe. Dazwischen liegen Sonnenschutz und ein selbstregelndes, mechanisches Zuluftelement (s. S. 808ff.), das gemeinsam mit dem Hersteller entwickelt wurde. Die verschiedenen Farben lassen Rückschlüsse auf das Energiekonzept zu: So beschreibt die Siebbedruckung der Prallscheibe die Position des Zuluftelements, während farbige Bleche vor der inneren Schicht Sonnenschutzlamellen und Mittelpfosten verdecken. Sanfte Farbwechsel finden sich auch im Erdgeschoss: Dort ist der Grundriss des Sockelbaus als Piktogramm auf das Glas gedruckt. In den vier Geschossen darüber wechseln die Rahmenfarben von Grau nach Weiß. Doch neben der fantasievollen Fassadengestaltung ist auch die Grundrissorganisation außergewöhnlich. Das Zentrum bildet die öffentlich zugängliche großzügige Halle, deren Dach über 50 m weit spannt. Von dort aus gelangen die Mitarbeiter auf Rolltreppen in das 1. Obergeschoss und über einen der Halle zugewandten Flur in die einzelnen Funktionsbereiche. Großflächige Bürozonen entlang der geschwungenen Fassaden bieten flexible Arbeitsplätze mit viel Tageslicht und in den oberen Geschossen einen herrlichen Blick über die Stadt.
