Berufsschule in Rudrapur

In dem 3000-Seelen-Ort Rudrapur im Norden von Bangladesch entsteht derzeit ein Modellprojekt mit dem Anliegen, ökologische traditionelle Bauweisen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Diese zieht meist industriell gefertigte Baustoffe den ohne Energieaufwand verfügbaren lokalen Materialien vor. Die Initiative startete 2006 mit der Dorfschule METI (s. DETAIL 4/2007, S. 304ff.), gefolgt von einer Gruppe von Wohnbauten und der Berufsschule für Elektriker DESI. Das ausländische Planungs-team stand den einheimischen Handwerkern, Lehrern und Schülern bei der Umsetzung zur Seite, das langfristige Ziel der Initiative besteht aber in einer dauerhaften Verbesserung der Lebenssituation in der Region: Die meist als Taglöhner arbeitenden Einwohnern sollen die modernisierten lokalen Bautechniken erlernen und diese auch an anderen Orten umsetzen und weitergeben. In der abgelegenen Region ist eine autarke Energieversorgung wesentlich: Photovoltaikpaneele sorgen für Strom, Solarkollektoren für warmes Wasser und über der Sanitärzelle liegt ein großer Wassertank. Das Grundprinzip besteht in einer zweigeschossigen, kompakten Bauweise aus Lehm und Bambus anstelle der üblichen eingeschossigen Ziegel- oder Wellblechhütten. Um aufsteigende Feuchtigkeit zu vermeiden, liegt in den Ziegelfundamenten eine doppelte PE-Folie als Sperrlage. Der Lehm kann mit Stroheinlagen bewehrt werden, das verhindert die Rissbildung in den Wänden. Die Konstruktion der leichten Aufbauten für die multifunktionale Veranda und den Klassenraum im oberen Geschoss besteht aus von Hand verschnürten und teilweise mit Eisendübeln verstärkten Bambusrohren. Um die Aufheizung der oberen Räume zu verringern, dämmen Kokosfasern und eine Lage Lehm das Dach. In der Veranda hängen unter dem transluzenten Dach aus Polycarbonat handgewebte bunte Stoffbahnen mit Palmblättern als Sonnenschutz und erzeugen ein buntes Licht- und Schattenspiel auf den erdfarbenen Wänden und Böden.

Berufsschule in Rudrapur
© Naquib Hossain