Erweiterung des Städel-Museums in Frankfurt a.M.

 - Anna Gassner

Die kontinuierliche Ausweitung seiner Sammlung überwiegend europäischer Kunst ließ das Städel immer wieder an räumliche Grenzen stoßen. Der 1878 bezogene Museumsbau am Mainufer wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts um einen Gartenflügel ergänzt, 1990 folgte der Westflügel von Gustav Peichl. Seit kurzem nun ist der jüngste Erweiterungsbau von schneider + schumacher zugänglich, in dem auf rund 2600 m² zusätzlicher Ausstellungsfläche Gegenwartskunst präsentiert wird. Mit ihrem Konzept, die neue Museumshalle unter dem Städel-Garten zu platzieren, waren die Architekten siegreich aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangen.

Erweiterung des Städel-Museums in Frankfurt a.M.
© Norbert Miguletz

Die neue bis zu 8,2 m hohe Ausstellungshalle wird über 195 runde Oberlichter mit natürlichem Licht versorgt. Ihre außergewöhnliche, als Glas-Beton-Kuppel frei geformte Deckenschale tritt als begrünte Aufwölbung markant inmitten des Gartenhofs hervor. Zur Erschließung der neuen Halle ergänzten die Architekten die Treppenanlage des historischen Mainufer-Flügels durch Öffnen der beiden Bogenfelder rechts und links der Haupttreppe. So erweitert sich das Raumgefüge ganz selbstverständlich in die neuen Sammlungsbereiche. Die Besucher gelangen zunächst auf das Erdgeschossniveau des Gartenflügels und von dort über eine zentrale Treppe hinunter in die neue Gartenhalle, deren mit speziellen Schalungskörpern hergestellte Deckenschale (S. 361, 366) auf lediglich zwölf Innenstützen und den umlaufenden Stahlbetonwänden ruht und sich bis zu 2,26 m kuppelförmig nach oben wölbt. Die Oberlichter mit Durchmessern von 1,5 bis 2,7 m schaffen eine von natürlichem Licht geprägte Atmosphäre. Als Verglasung sind kaltverformte gewölbte Gläser eingesetzt. Darunter sind die Lichtöffnungen mit einem innenliegenden Verschattungssystem, das direkte Sonneneinstrahlung verhindert, sowie einer unauffällig integrierten Grundbeleuchtung mit Kunstlicht ausgerüstet. Den unteren Abschluss bildet weißes transluzentes Gewebe. Der weich ausgeformte Übergang zur Decke ist wie ihre gesamte Unterseite gespachtelt und schneeweiß gestrichen. So entsteht im Innenraum eine zunächst irritierende, schwebend leichte Wirkung. Für die mit Kuehn Malvezzi entwickelte erste Sammlungspräsentation grenzen von der Decke abgelöste Wände Bereiche innerhalb des großen Raumvolumens ab, verbergen die wenigen Stützen und gliedern die Ausstellung. Mit der Präsentation der teils großformatigen Kunstwerke lässt sich der Raum nun richtig erfassen und erweist sich als angemessener Rahmen für die Städelsche Sammlung der Gegenwartskunst. So bereichert er das Raumgefüge des Museums um eine weitere Attraktion. 

Architektur
schneider+schumacher
Standort
Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main (DE)

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