Berichte: Festspielhaus Erl

 - Claudia Fuchs

Das breite Tal des Inn ist als eine der Hauptrouten in den Süden bekannt. Doch verlockt hier auch zeitgenössische Architektur zu Zwischenstopps. Nicht nur in Innsbruck entstand in den letzten Jahren eine Vielzahl interessanter Bauten, darunter auch von Zaha Hadid, David Chipperfield und Dominique Perrault. Selbst in kleineren Orten finden sich herausragende Projekte – wie in der 1500-Einwohner-Gemeinde Erl bei Kufstein. Hier zieht das neue Festspielhaus schon von Weitem die Blicke auf sich, ein prismatischer, dunkler Baukörper, das visuelle Gegenstück des benachbarten Passionsspielhauses, einem Meisterwerk der Tiroler Architektur der 1950er-Jahre. Vielfach gekantet wie ein Fels scheint der Neubau aus dem dahinter liegenden Hügel zu wachsen. Weit ragt die Südspitze in den Himmel, verglaste Einschnitte erscheinen wie Spalten im Gestein, durch die am Abend das Licht schimmert. Aus der vorgefundenen Topografie entwickeln die Architekten die skulpturale Gebäudeform, nehmen mit Faltungen und Schichtungen Bezug zur nahen Felsformation. Zugleich schaffen sie einen spannungsvollen Dialog mit dem organisch geformten, weißen Passionsspielhaus des Architekten Robert Schuller. Alle sechs Jahre finden hier Passionsspiele statt, seit 1998 zudem jeden Sommer Konzerte und Opernaufführungen. Um auch im Winter Musikfestspiele mit adäquater Ausstattung veranstalten zu können, wurde 2007 ein internationaler Wettbewerb für ein neues Festspielhaus ausgeschrieben, den Delugan Meissl gewannen.

Berichte: Festspielhaus Erl
© Brigida González