Technik: Mit dem Wasser leben - Gebäudesanierungen in der Passauer Altstadt

Die Altstadt von Passau, auf einer Landzunge am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz gelegen, ist seit Jahrhunderten regelmäßig von Hochwasser betroffen. Das Hochwasser von 1954 flutete die ufernahen Häuser bis zum ersten Stockwerk, das Wasser stand sieben Meter höher als normal. Aufgrund der großen Schäden verließen daraufhin viele Bewohner das Altstadtviertel, zumal sich auch die wirtschaftliche Entwicklung Passaus seit Beginn des 20. Jahrhunderts stärker in die Neubaubereiche im Westen der Stadt verlagert hatte. Viele Häuser der spätmittelalterlichen Altstadt standen leer und wurden baulich vernachlässigt. Mit dem Städtebauförderungsgesetz begannen seit den 70er-Jahren umfangreiche Sanierungen im Altstadtbereich unter besonderer Berücksichtigung der Hochwassergefährdung. Die Lage im Hochwassergebiet bedingt, dass die Bewohner mit dem Wasser leben müssen. Die Nutzung der Geschosse unterhalb der Hochwassermarke muss mit geeigneten Funktionen und schnell räumbaren Einrichtungen auf Überflutungen Rücksicht nehmen. Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung sind geeignete Konstruktionsarten und Materialien, sowie die Lage der haustechnischen Anlagen oberhalb der gefährdeten Raumbereiche. Für Bauprojekte innerhalb der Sanierungsgebiete wurden von der Stadt Passau Richtlinien vorgegeben: Wohnräume dürfen nur oberhalb der Hochwassermarke des Jahrhunderthochwassers von 299,25 m ü. NN liegen (das sind 7,75 Meter mehr als der normale Stand, die Regelung betrifft somit Erdgeschoss und teilweise 1. Obergeschoss). Räume unterhalb dieser Hochwasserlinie müssen leicht und schnell zu räumen sein. Die haustechnischen Anlagen (Heizung, Lüftung, Elektroanschluss mit Verteilung) sind oberhalb der Hochwassermarke zu errichten. (Alois Meßmer, Reinhold Hartl)

Technik: Mit dem Wasser leben - Gebäudesanierungen in der Passauer Altstadt
© Georg Gerleigner