Das Tagespflegezentrum für alte Menschen liegt in einem alten Stadtviertel von Kioto, Kamigyo, an einer schmalen Straße mit traditionellen japanischen Holzwohnhäusern. Der Neubau nutzt eine Lücke und schiebt sich wie ein Keil zwischen die alte Struktur. Zur Straße hin wird nur ein schmaler weiß verputzter Baukörper sichtbar, der durch seine Schrägstellung vor sich einen kleinen Platz bildet. Von hier aus führt der Weg ins Innere des Gebäudes: Das hölzerne Schiebetor, das an die Formensprache alter Teehäuser angelehnt ist, öffnet sich zu einem weiteren Vorhof. Dieser Raum, der mit großen Kieselsteinen ausgelegt und nach oben hin offen ist, gibt den Zutritt zum ebenerdigen Hauptraum frei und umschließt die erste Treppe des Gebäudes. Die nächste Treppe, die oberhalb eines Glasstreifens im Fußboden vom ersten Obergeschoss auf die Dachterrasse führt, zoniert den mittleren Teil des Neubaus. Ein dritter Treppenraum spannt sich zwischen zwei historische Giebelwände und schließt den Bewegungskreislauf des Gebäudes. Wie von hier bieten sich auch von der Dachterrasse und den beiden Hauptgeschossen aus Ausblicke auf die zahlreichen prägnanten Ziegeldächer der nahen Nachbarschaft. Hinter einer zweigeschossigen Glasfassade, die die räumliche Verbindung zum grünen Innenhof herstellt, werden tagsüber alte, gebrechliche Menschen betreut, die gemäß der Tradition auf Reisstrohmatten, »Tatamis«, direkt auf den Holzfußböden ruhen. Die Nähe zu alten japanischen Gebäuden wird auch im Neubau spürbar. Einige traditionelle Elemente stehen in harmonischem Kontrast zu Sichtbeton und Stahl-Glasfassaden: Auf dem Dach befinden sich zwei Teezeremonieräume, die außen mit Metallplatten verkleidet und innen mit den typischen Tatamimatten belegt und mit Lehm verputzt sind. In den Haupträumen, deren Rückgrat eine gänzlich geschlossene Sichtbetonwand und die schwarz lackierte Stahltreppe bilden, sind die Decken mit Bambusmatten und hinterleuchtetem Japanpapier abgehängt.
