Ab Anfang nächsten Jahres wird die Deutsche Welle erstmals aus neuer Umgebung senden. Ihr Umzug ergibt sich zum einen aus der Situation, die alten Räume in Köln wegen Asbestgefahr verlassen zu müssen. Zum anderen wartet in Bonn ein Gebäudekomplex auf neue Nutzer, der durch den Umzugsbeschluss des Deutschen Bundestags nach Berlin seine Funktion verlor. Der Entwurf für die Bundesbauten in Bonn wurde bereits 1983 mit einem Architektenwettbewerb entschieden. Joachim Schürmann wurde als Wettbewerbssieger mit der Planung beauftragt, nach sieben Jahren begann die Ausführung. Die anfänglichen Diskussionen über Abriss oder Fortführen der Baumaßnahme nach dem Umzugsbeschluss wurden verstärkt, als im Dezember 1993 das Hochwasser die Rheinaue in Bonn überschwemmte und dem Rohbau erheblichen Schaden zufügte. Umfangreiche (und kostspielige) Sanierungsmaßnahmen machten den »Schürmann-Bau« für den politischen Thema. Der Entscheidung zum Weiterbau folgte die Vereinbarung über den neuen Nutzer, der in diesem Sommer, also fast 20 Jahre nach dem eigentlichen Architektenwettbewerb, die Räumlichkeiten beziehen kann. Die drei langen, horizontalen Riegel des Funkhauses, deren Höhe sich an den Villen auf der gegenüberliegenden Flussseite orientiert, liegen direkt neben dem »Langen Eugen«, dem früheren Abgeordneten-Hochhaus und heutigem Sitz der UN-Organisation. Sie sind parallel zur Kurt-Schumacher-Straße angeordnet und durch Stege miteinander verbunden. Das »Herz« der Deutschen Welle schlägt in einer verglasten Studiohalle im Zentrum des Gebäudekomplexes. Die sieben Sendestudios, neun Produktionsbüros und viele kleine, selbst bedienbare Aufnahmestudios sind durch eine zweite Innenschale vollständig entkoppelt und haben aus akustischen Gründen keine natürliche Belüftung. In die offen und durchlässig konzipierte Anlage ist auch das Aus- und Fortbildungszentrum der Deutschen Welle (DWFZ) integriert.
