In Londons Kensington Gardens gibt es zurzeit einen außerordentlichen Pavillon im Park zu entdecken: Eine spannungsvolle Raum-skulptur, frei von üblichen Zwängen konzipiert und in starkem, aber dennoch harmonischen Kontrast neben das 30er-Jahre-Gebäude der Serpentine Gallery gesetzt. Diese hat im dritten Jahr in Folge ein Star-Architekturbüro beauftragt, vor der Galerie einen modernen Sommerpavillon zu errichten. Nach Zaha Hadid (2000) und Daniel Libeskind (2001) kam dieses Jahr Toyo Ito zum Zug. Der temporäre Bau beherbergt tagsüber ein Café, abends finden diverse Veranstaltungen statt, von Filmvorführungen über Lesungen und Diskussionen bis hin zu Firmenevents. In kurzer Planungs- und Bauzeit entstand in enger Zusammenarbeit mit den Ingenieuren diese äußerst komplexe Struktur aus Stahl, Glas und Aluminium – eine früh verworfene Ausführung in Aluminium und Kunststoff erwies sich als weniger filigran. Ausgehend von einem mathematisch bedingten Grundmuster sind die Hüllflächen des Quaders von zahllosen sich kreuzenden Linien überzogen, bei Dach und Fassaden als Flachstähle von 12–50 mm Dicke ausgebildet. Dazwischen bilden sich vielfältige Dreiecke und Trapezoide, die von insgesamt 380 verschiedenen Glas- und Aluminiumpaneelen ausgefacht werden. Durch die Konstruktionshöhe von 55 cm werden Dach und Fassaden dreidimensional und gewinnen skulpturale Qualitäten. Die Flachstahlkonstruktion der Fassaden wurde jeweils als ein Element vorgefertigt und auf die Baustelle transportiert, das Dach aus mehreren kleineren vorgefertigten Bauteilen vor Ort zusammengesetzt (Abb. Auf jeder Seite des Pavillons ist als Zugang und zur Belüftung ein größeres Feld offen gelassen. So können die abstrakten Flächen ohne störende Türen ihre expressive Wirkung frei entfalten. Zudem bleibt ein unmittelbarer Bezug nach außen erhalten, das oft wechselnde Londoner Wetter ist mit seinen vielfältigen Stimmungen spürbar – in komfortabel abgemilderter Form. Thomas Madlener
