Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres fand die Eröffnungsfeier des neuen Prada Stores in SoHo statt. Es ist das erste von drei großen Geschäften, in dem Rem Koolhaas neue Verkaufsideen für die Mailänder Modefirma realisiert; weitere werden in Los Angeles und San Francisco entstehen. Nach einiger Verzögerung und enormen Kosten ist das Prestigeobjekt – kein Laden im herkömmlichen Sinn, sondern Erlebnisraum, Shopping-Experiment, privater und öffentlicher Raum zugleich – nun vollendet. Nachts verwandelt sich der kommerzielle Kleiderladen zu einer Stätte für Kultur, zu einem Auditorium, in dem 200 Menschen Platz finden, um an Filmvorführungen, Vorträgen oder Performances teilzunehmen. Bühne für all diese kulturellen Aktivitäten ist eine riesige Welle aus Holz, die sich von der Eingangsebene nach unten schwingt und als Sitztreppe dient. Tagsüber werden auf den Stufen Schuhe oder Handtaschen ausgestellt. Auf der gegenüber liegenden Seite schwappt die Welle als glatte Holzfläche wieder nach oben. Aus dieser Fläche kann eine Plattform ausgeklappt werden. Über eine schmale Treppe an der Seite erreicht der Besucher weitere Verkaufsflächen im rückwärtigen Teil des Geschäfts. Kleider und Accessoires sind in unterschiedlich großen Käfigen aus Streckmetall ausgestellt und hängen frei im Raum. Sie laufen, digital gesteuert, in Schienen an der Decke und können immer wieder neu positioniert werden. Findet eine Veranstaltung statt, werden die Käfige eingesammelt. Der untere Wendepunkt der Welle erschließt zusätzliche Verkaufsräume, eine Kosmetikabteilung sowie die Umkleiden im Untergeschoss. Dort offenbaren sich weitere technische Raffinessen: Auf Knopfdruck verwandeln sich die transparenten Umkleidewände in opake Flächen. In einem »Zauberspiegel« kann sich der Kunde, dank digitaler Visualisierung, von allen Seiten und in »slow motion« im Playback sehen. Lichtsimulationen führen vor, dass das Kleid in der Dämmerung genauso gut aussieht wie bei Sonnenschein.
