Gesamtanlage und Hauptsportstätten für die Olympischen Spiele 1972, München

Hauptschauplatz der Olympischen Sommerspiele 1972 in München ist das »Oberwiesenfeld«. Sein Zentrum bilden das große Stadion, die Sporthalle und die Schwimmhalle. Die zum Kernbereich gehörenden Anlagen und Bauten sollten in einem Gesamtrahmen disponiert und ausgeführt werden, dem der übergeordnete Leitgedanke einer gestalteten Landschaft unterlegt wurde, und zwar eingestimmt auf die Motive »Olympiade im Grünen«, »Olympiade der Musen und des Sports«, »Olympiade der kurzen Wege«. Zur Verwirklichung dieser Vorstellungen stand ein Gebiet im Nordwesten der Stadt zur Verfügung. Die örtlichen Gegebenheiten: Schuttberg, Fernsehturm und Nymphenburger Kanal wurden zu Ausgangspunkten des Entwurfs einer »Olympischen Landschaft«. Die markante Geländeerhebung des Schuttberges wurde aufgenommen und in Form von Dämmen über das Gelände weitergeführt; dadurch wurde das ursprünglich ebene Gelände in überschaubare Bereiche gegliedert. Die Führung der Fußwege auf den Dämmen getrennt vom Fahrverkehr ermöglicht den Fußgängern abwechslungsreiche Ein- und Ausblicke in die tieferliegenden Bereiche. Alle Dämme führen auf das zentrale Plateau, an dessen Peripherie die Wettkampfstätten eingebettet sind. Dadurch verlieren die Stadien trotz ihrer großen Dimensionen die bauliche Masse; sie erhalten durch die Einheit von Geländeform, Bauten und Bepflanzung menschliche Maßstäbe. Stadion und Sporthalle sind Einrangstadien, in denen jeder jeden sieht. Durch diese Tribünenform soll das Sportgeschehen als gemeinsames Erlebnis betont werden. Durch die Einbindung der Tribünen in die Geländeform des Zentrumsplateaus sind nur die für den Zuschauer wesentlichen Erlebnisbereiche der Stadien in den Landschaftszusammenhang einbezogen. Alle Nebenräume sind entweder unterirdisch angelegt oder liegen als belichtete Räume unter den »gebauten« Tribünen an den Außenseiten des Zentrumsplateaus. Außen und Innen der Stadien sind verwoben. Diese fließenden Übergänge lösen die Grenzen der Einzelbauten auf. Wo sie, wie bei der Sport- und Schwimmhalle, als klimatechnischer Abschluß unentbehrlich sind, wird versucht, die Durchsicht zu erhalten. Die ringsumlaufende Glasfassade verläuft unabhängig von den Dachrändern. Alle Stahlteile sind in Grüntönen der Landschaft gestrichen. Im Stadion, weil nur zur Hälfte überdacht, ist die Verbindung zur gestalteten Landschaft am unmittelbarsten spürbar. Die Großstadien werden nicht als Einzelbauten, sondern als Teile der gestalteten Landschaft geplant. Sie bestehen aus Geländemulden, die nach außen durch Tribünenkonstruktionen ergänzt sind. Das Dach überspannt die Stadien und Teile der Landschaft und vereinigt die Einzelgebäude zu einer Großform, die zusammen mit Berg, See und Fernsehturm das Olympische Zentrum bildet. (Originaltext 1972)

Gesamtanlage und Hauptsportstätten für die Olympischen Spiele 1972, München
© Christian Kandzia