Olympiapark im Jahr 2000
Für die erste Olympiade in der Bundesrepublik wurde vor nunmehr fast dreißig Jahren das markante Ensemble in nur vier Kilometern Entfernung zur Innenstadt erbaut. Seitdem ist vor allem das »Olympiadach« mit seiner beeindruckenden Architektur zu einer bedeutenden Sehenswürdigkeit der Stadt – nicht nur für Architekten – avanciert.
Die gesamten Sportanlagen, die parkartig gestaltete Landschaft und eben die großartigen Überdachungen sind zu einem nationalen Architekturdenkmal geworden. Sie zeigen einen Gestaltungswillen und ein neues Formempfinden, die auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der 68er-Jahre zu sehen sind.
Die Bauten setzten inhaltlich, formal und nicht zuletzt bautechnisch entscheidende Maßstäbe. In idealer Weise demonstrieren sie eine planerische Symbiose von Architektur, Tragwerks- und Landschaftsplanung (in diesem Fall die Büros Behnisch und Partner, Frei Otto, Leonhardt + Andrä und Günther Grzimek).
Die Anwendung leichter Flächentragwerke, hier speziell der Seilnetzkonstruktion, konnte in einem international beachteten Großprojekt prototypisch ausgeführt werden. Bauweise und Dimensionen sind grundsätzlich heute gleichermaßen gültig. So waren auch bei der kürzlich vorgenommenen Renovierung keinerlei Änderungen erforderlich.
Freizeitpark und Wettkampfstätte
Das gesamte Gelände des Olympiaparks hat – sicher begünstigt durch seine Lage – eine große Bedeutung als Naherholungsgebiet innerhalb der Großstadt München erlangt. Die Besonderheit der Landschaftsgestaltung – elementarer Bestandteil des gesamten Projektes – wirkt unvermindert anziehend.
Wie von den Entwerfern geplant, verfügt die Stadt mit dem Olympiagelände heute über eine weitere, den traditionellen Parkanlagen ebenbürtige Erholungslandschaft. Durch die innerhalb der 30 Jahre gewachsene Bepflanzung entstand ein reizvolles Areal, teils mit dichtem Baumbestand, inmitten stark besiedelter Stadtgebiete.
Die Außenanlagen ziehen nicht nur am Wochenende viele Besucher an – an schönen Tagen bis zu 30.000 Menschen.
Die Topografie des Geländes, die Dämme, Hügel, Senken, Täler und Seen schaffen definierte, gleichwohl offene Bereiche, die eine gute Verteilung auch großer Besucherscharen ermöglichen. Ruhe sowie Aktivität ist in verschiedenen Bereichen zu finden. Von den Aussichtsbergen lässt sich die Stadt überblicken, bei schönem Wetter sind die Alpen zu sehen. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger, Inline-Skater, Bootsfahrer, Sonnenanbeter und Touristen bevölkern zu allen Jahreszeiten das Gelände. Selbst ein kleiner Ski-Abfahrtshügel und eine Rodelbahn bereiten Kindern im Winter ein für Innenstädte seltenes Vergnügen. Im Sommer finden verschiedene Festivals im Olympiapark einen gut gelegenen Veranstaltungsort.
In den Stadien und Hallen sowie auf den Außenplätzen finden auch heute sportliche Wettkämpfe und Veranstaltungen jeglicher Art statt. Ebenso gibt es dort große Konzerte und Shows. Die Schwimm- und die Eislaufhalle werden öffentlich genutzt. Die örtliche Volkshochschule unterhält in den Gebäuden den so genannten Gesundheitspark, unzählige Sport- und Freizeitprogramme werden hier von den Münchnern angenommen.
Bekannteste Veranstalter und ständige Nutzer des Stadions sind die beiden größten Münchener Fußballvereine, deren Heimspiele dort an den Wochenenden stattfinden.
Aktuelle Umbaupläne
Für Diskussionen, nicht nur in München, sorgen im Moment die verschiedenen Pläne zum Umbau des Olympiastadions von einer Leichtathletikstätte zu einer allein fußballgerechten Arena, wie sie die Hauptnutzer fordern. Dies bedingt neben einer vollständigen Überdachung und einer höheren Platzanzahl auch, dass die Entfernung zwischen Sitzreihen und Spielfeld geringer, der Höhenunterschied jedoch größer ausgebildet wird.
Die Aufstockung mehrerer, steilerer Ränge und Logen ist mit der bestehenden Anordnung nicht zu vereinbaren, weshalb der gesamte Tribünenbau, d.h. alles unterhalb des soeben denkmalgerecht sanierten Daches, zur Disposition gestellt wird.
Die die Urheberrechte haltenden Architekten haben mehrere Modelle für Tribünenbauten und eine komplettierende Überdachung erarbeitet, von denen eines zurzeit zum Beschluss ansteht. Schwierigkeiten, sieht man einmal von der möglichen Demontage eines herausragenden Beispiels bundesdeutscher Architektur ab, bereiten dabei zum einen formale Aspekte – die andersartige Überdachung der Ostseite und die hochgezogene Tribünenanlage, die im Gegensatz zum Landschaftskonzept steht –, zum anderen technische Aspekte, wie die kostspielige Absenkung der Spielfläche bis in den Grundwasserbereich hinein.
Als Alternative steht ein funktionsangepasster Neubau eines Fußballstadions am Ort des damaligen Radstadions zur Debatte – eine Lösung, die die Erhaltung der Olympiastätte mit ihren Leichtathletikanlagen auch für andere sportliche Wettkämpfe sichern könnte.
Weit auseinander liegen die Meinungen zu Erhalt oder Umbau vor allem zwischen der deutschen Architektenschaft und den Entscheidungsträgern. Dreißig Jahre nach der Entstehung wird auch in dieser Diskussion das Ergebnis Ausdruck der gesellschaftlichen und geistigen Bewegungen der Zeit sein.
Dachkonstruktion
Die tragende Konstruktion des Daches beruht auf einem vorgespannten, doppelt gekrümmten Stahlseilnetz von 75 Zentimeter Maschenweite. Es leitet die Kräfte an Randseile weiter, welche in Knotenpunkten zusammenlaufen. Von diesen Lagerpunkten erfolgt die Abspannung in Zugfundamente oder die Einleitung über Masten in Druckfundamente, im Innenrandbereich auch in Luftstützen.
Für die eigentliche Dachhaut, die auf den beweglichen Seilknoten aufgelagert ist, wurden zunächst verschiedene Materialien in Erwägung gezogen. Leichtbeton stand ebenso zur Diskussion wie Metallschindeln oder eine Holzschalung. Die Forderungen der Medien gaben schließlich den Ausschlag: Die Vermeidung von Schlagschatten war für das Farbfernsehen wichtig. Dementsprechend fiel die Wahl auf ein bereits erprobtes lichtdurchlässiges Material: drei mal drei Meter große Polymetacrylharz-Platten, d. h. Acrylglas.
Entscheidend war auch das brandtechnische Verhalten. Die vorgereckten Platten schrumpfen bei Erwärmung bis zur ursprünglichen Größe, wodurch die Fläche im Brandfall aufreißt und eine sofortige Entrauchung gewährleistet. So wird auch das Seilnetz vor Hitze geschützt. Das Material ist mit einem Brandschutzzusatz versehen, brennt selbst nicht weiter und tropft auch nicht brennend ab.
Renovierung der Dachhaut
Die Haltbarkeit der Dachhaut wurde von den Planern mit ca. zwölf Jahren veranschlagt. Tatsächlich wurde die Renovierung schließlich nach 25 Jahren notwendig. Regelmäßige technische Prüfungen ergaben, bis auf Einzelfälle, keine Beanstandungen. Erst nach erstaunlich langer Zeit wurde das Material spröde, tauchten brüchig gewordene Platten auf. Dazu verursachte vermutlich der Brandschutzzusatz eine zunehmende Verwitterung, eine Abschieferung der Oberfläche und damit die Trübung der Platten.
Diese das gesamte Dach betreffenden Faktoren wurden 1997 zum Anlass genommen, mit der Erneuerung der 75.000 qm großen Fläche zu beginnen, die gut zwei Jahre andauerte. Korrosionserscheinungen des Tragwerks waren nur in sehr geringem Umfang aufgetreten. Sie betrafen teilweise die Randseile, außerdem Seilstellen in der Nähe der Verankerung bzw. in den Sätteln. Durch Reinigung und Erneuerung des Korrosionsschutzes wurden sie wieder vollständig in Stand gesetzt.
Die Acrylglastafeln, ihre Fugenprofile, Auflager- und Befestigungselemente mussten dagegen erneut hergestellt werden.
Auch die Eindeckung mit alternativen Materialien wurde nochmals in Erwägung gezogen. In einer einjährigen Erprobungsphase waren zusätzlich zu Acryltafeln mit niedriger dosiertem Brandschutzzuschlag zwei weitere Musterflächen getestet worden: zum einen Polycarbonat, zum anderen eine Folie auf Fluorbasis. Polycarbonat wird jedoch nicht im passenden Format hergestellt. Es konnte aufgrund seiner verletzlichen UV-Schutzbeschichtung auch die Vorgaben an die Begehbarkeit nicht erfüllen, zudem vergilbt es.
Die Verwendung einer Membran scheiterte an einer Vielzahl von Problemen:
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Die Begehbarkeit war nicht im erforderlichen Maß gegeben.
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Die Vorschriften des Brandschutzes, bei dem die erhöhten Forderungen von 1972 angesetzt wurden, wurden nicht erfüllt.
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Die Bewegungsfugen der Dachfläche sind unentbehrlich für den geregelten Wasserablauf und die Sicherung gegen Schneebretter. Die Randaufkantung für eine durchgehend glatte Fläche wäre übermäßig groß geworden.
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Die notwendige Vorspannung der extrem langen, unterschiedlich stark gekrümmten Bahnen ist technisch nicht zu bewältigen.
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Die Optik wäre stark verändert worden, was aus Gründen des Denkmalschutzes zu bedenken war.
Der Versuch, die Acrylglasplatten mit einem niedrigeren Brandschutzzuschlag zu versehen zeigte, dass die Anforderungen so nicht erfüllt werden konnten. Damit fiel die Entscheidung zu Gunsten des exakt gleichen Materials für die neue Eindeckung. Die Herstellerfirma verwendete die Maschinen, die schon bei der ersten Fertigung zum Einsatz kamen. Die zugehörigen Teile – Aluminiumleisten, Fugenprofile, Gummipuffer etc. – wurden ebenfalls in der selben Weise wie in den 70er-Jahren hergestellt.
Der größte Teil der Platten erhielt wie ursprünglich einen Zuschlag aus Rußpartikeln, der für eine leichte Tönung sorgt. Gemäß dem architektonischen Konzept wurden hieraus die doppelt gekrümmten, großen Dachflächen gebildet. Werden zwei Flächen gestoßen, entstehen an den Graten Verbindungsfelder, die so genannten »Augen«, durch die auch die Masten hindurchgeführt werden. Hier und in den Randbereichen wurden ungetönte Elemente verlegt, um die verschiedenartigen Flächen der Konstruktion gestalterisch zu differenzieren.
Peu à peu ersetzten speziell ausgebildete Montagetrupps die Acryltafeln aller Stadien und der Verbindungsdächer durch die neue Deckung, sodass sie heute wieder quasi in ihrer ursprünglichen Form zu sehen sind.






