Mario Botta in seinem Buch »La casa rotonda«: Über Architektur schreiben, die Motive zum Druck durchsehen und einrichten verlangt eine umgekehrte Einstellung, als ich sie sonst gewöhnt bin. Über Architektur oder ein Bauwerk sprechen heißt wirklich: die einzelnen Phasen des Entwurfs abbrechen, mit denen das Werk aufgebaut wurde. Architektur machen andererseits heißt, einen Entwurf in Phasen aufbauen. Ich bin sehr in Verlegenheit, wenn ich die hier zusammengestellten Bildinhalte von der Konstruktion des runden Hauses sehe; wahrscheinlich stammt dies genau von jener Umkehrung. Ein Einfamilienhaus am Rand des Dorfes: Die Situation gegeben durch die Bauvorschriften; der Entwicklungsplan des Dorfes rund um den alten Kern; die Struktur der Fußwege, die zu Fahrstraßen werden; das Muster der Felder und Weinberge, zu Baugrundstücken bestimmt. In diesem Kontext wurde ich gebeten, auf einem kleinen Grundstück an der Nordspitze eines neuen Wohngebiets ein Einfamilienhaus zu bauen. Ich dachte mir ein Gebäude aus mit kreisrundem Grundriß und legte längs der Nord-Süd-Achse einen Schacht, durch den das Licht von oben einfällt. Ein Bauvolumen auf drei Ebenen, eine Art Turm, oder besser ein Objekt, aus sich selbst geschnitten. Die Absicht war, jeden Vergleich mit der Nachbarschaft und auch jeden Kontrast zu ihr zu vermeiden; stattdessen eine räumliche Verbindung zur entfernten Landschaft und zum Horizont. Mit dem kreisförmigen Baukörper suchte ich Flächen zu vermeiden, die sich notwendigerweise mit den Fassaden der umstehenden Häuser vergleichen müßten. Ein so deutlich gemachtes Haus bezieht die Berechtigung seiner Existenz aus dem Raum zwischen dem Land rings um seinen Grundkreis und dem Himmel über dem Dachlicht. Um diesen Raum dachte ich mir die mannigfachen Lebensfunktionen: das Erdgeschoß als Durchgang zwischen Draußen und Drinnen; das erste Geschoß für die verschiedenen Aktivitäten des Tages; das oberste Geschoß mehr privat und zum Schlafen.
