Galerie und Gästehaus einer Tempelanlage in Kioto

Der Reigenko-ji liegt am Fuße des Funayama, einer der fünf heiligen Hügel im Norden Kiotos. Er wurde 1638 als Tempel der Kaiserfamilie erbaut und wird noch heute als solcher genutzt. Die historischen Gebäude gliedern das Grundstück in vier Außenräume, die unterschiedlich gestaltet sind: Kirschbaumgarten, Steingarten, Teichgarten und Ahornbaumgarten. Der Neubau schiebt sich behutsam unter den jahrhundertealten Ahornbaum, der genauso verehrt wird wie die Haupthalle des Tempels. Das Gebäude, ein weißer Kubus, ist sechs Meter tief in den Boden versenkt, nur das Oberlicht scheint über dem Kiesbett zu schweben. Parallel zu diesem Glaskörper erfolgt der Zugang über eine Treppe, die zwischen zwei mit schwarzem Granit verkleideten Betonwänden nach unten führt. Oberlichtschlitze lassen nur spärliches Licht in den Abgang fallen, bevor man das Gästehaus betritt. Nach dem Öffnen der Schiebetür erreicht man die Galerie des ganz in Weiß gehaltenen Kubus, in dessen Zentrum ein nach oben offener Lichthof eingeschnitten ist. Dieser Außenraum erscheint durch die mattierten Glaswände von innen als diffus leuchtendes Volumen. Durch das transparente Glasdach fällt Licht ganz anderer Qualität, welches die Konturen des Raumes verschwimmen lässt. Um Kondensation zu vermeiden, wurde eine Isolierverglasung gewählt. Darüber liegt eine weitere Scheibe, die den Himmel reflektiert, wodurch das Glasdach wie ein tiefer blauer See wirkt.

Galerie und Gästehaus einer Tempelanlage in Kioto
© Shinkenchiku-sha