Das British Museum, 1823 bis 1852 von Robert Smirke geplant, ist eines der ersten, für das Volk zugänglichen Museen Europas. Seine Bedeutung hat es bis heute behalten – die archäologischen und ethnologischen Sammlungen zählen zu den wertvollsten der Welt. Smirkes ursprünglicher Entwurf sah einen zentralen Innenhof vor, um den die Ausstellungsräume gruppiert waren. Der rechteckige Hof sollte bepflanzt und als öffentlicher Garten genutzt werden. Doch schon bald nach der Fertigstellung des Gebäudes wurde es in großem Maßstab erweitert und umgebaut, um den wachsenden Sammlungen Raum zu bieten. In diesem Zuge entstand der runde Kuppelbau inmitten des Hofes, der, von Smirkes Bruder Sydney errichtet, einen Lesesaal der britischen Nationalbibliothek beherbergte. In den Restflächen des Hofes waren Büchermagazine untergebracht. So ging die Bedeutung des zentralen Gartens als öffentlicher Raum verloren. Mit dem Auszug der British Library 1998 entstand erneut die Möglichkeit, den Hof und seinen Lesesaal für die Öffentlichkeit wieder zu beleben. Nach Norman Fosters Plänen (Tragwerksplanung Büro Happold) entsteht derzeit ein großzügiges Foyer mit Restaurant und Bücherladen, das gleichzeitig als Verteilerzone für die angrenzenden Ausstellungsräume dient. Ein leichtes Glasdach verbindet den Lesesaal mit dem Museum. Da der Rundbau nicht genau in der Mitte des Hofs liegt, ergibt sich eine geometrisch komplizierte Dachform, die sich auf einen zum Rechteck verzerrten Torus zurückführen lässt. Das in zwei Richtungen gekrümmte Netz aus Stahlrohren wurde in Segmenten eingebracht und verschweißt. Es ruht einerseits auf Stahlbetonstützen, die um den Lesesaal gruppiert sind, andererseits auf den Mauern des Museumsbaus. Jede der dreieckigen Glasscheiben unterscheidet sich in der Abmessung von der angrenzenden. Im Spätsommer dieses Jahres wird der neue Trakt mit einer großen Feier eröffnet.
