Die ehemalige Bankside Powerstation, 1945 von Sir Gilbert Scott erbaut, beherbergt seit Mai dieses Jahres eine der größten Sammlungen für moderne Kunst. Vor seiner Verwandlung war der imposante Bau in drei parallel angeordneten Raumschichten organisiert, von denen jede eine spezifische Funktion hatte. Zur Themse hin war das Kesselhaus eingerichtet, in der Mitte standen große Turbinen und auf der Südseite das »Switchhouse«, in dem bis heute Transformatoren untergebracht sind. Diese werden seit der Stilllegung des Kraftwerks im Jahr 1982 mit Strom gespeist, der außerhalb Londons produziert wird. Die Dreiteiligkeit des Baus haben Herzog & de Meuron erhalten. Eine breite Rampe führt von der Westseite hinunter in die gigantische Eingangshalle, die auch heute noch Turbinenhalle genannt wird, obwohl außer einer alten Kranbahn nichts mehr an die frühere Nutzung erinnert. Wie eine Straße durchzieht die Halle das Gebäude in seiner gesamten Länge und Höhe. Zur Linken erhebt sich die neue Fassade des Museumstrakts mit den markanten Baywindows, die als schwebende Lichtkörper erscheinen oder als Vitrine mit Menschen, die sich ausruhen, auf Bänken sitzen oder gerade in eine der Galerien aufbrechen. An dieser Stelle stand früher ein offenes Stahlgestell ohne Decken und Böden, in dem unzählige Kessel und Maschinen installiert waren. Auf der gegenüber liegenden Seite präsentiert sich die Fassade undurchlässig – vorläufig, denn hinter ihr liegen Räume, die zu einem späteren Zeitpunkt dem Museum angegliedert werden sollen. Das leise Summen der Ventilatoren, die derzeit die Transformatoren kühlen, wird dann verschwunden sein. Ein weiteres Relikt aus vergangener Zeit ist die Brücke, die über der Hauptebene liegt und an den Eingang auf der Nordseite angebunden ist. Sie ist der Rest einer Deckenplatte, die sich vor dem Umbau auf die gesamte Gebäudelänge ausdehnte. Das Entfernen der Decke erlaubt es jetzt, den Raum der Turbinenhalle in seiner ganzen Dimension zu erfahren. Von der Brücke aus kann der Besucher die Rampe und die Aktivitäten in der Halle überblicken und in den Museumstrakt gelangen. Dort erreicht er über eine Rolltreppe die oberen Geschosse mit den Galerien. Diese sind thematisch nach Landscape, Still Live, Nude und History unterteilt, eine nicht chronologische und daher eher unübliche Art, Kunst zu zeigen. Alle Galerieräume sind mindestens fünf Meter hoch, unterscheiden sich in Abmessung und Proportion, um den jeweiligen Kunstwerken den optimalen Rahmen zu bieten. Die Belichtung erfolgt zum Teil durch Tageslicht, das über Oberlichter oder die kathedralartigen Fenster in die Räume gelangt. Durch die Fenster bieten sich reizvolle Blicke auf die Stadt, die zudem helfen, sich zu orientieren. In die Gipskartondecken eingelassene Lichtbänder erhellen die Räume zusätzlich mit fein regulierbarem Kunstlicht. Die Bänder unterscheiden sich in Gestaltung und Lichtintensität kaum von den Oberlichtern.
