Parkregal in Sindelfingen

Nach der Sanierung und Modernisierung eines großen Verwaltungsgebäudes in der württembergischen Autostadt konnten Büroräume, die lange leer gestanden hatten, wieder vollflächig vermietet werden. Diese Entwicklung führte zu einem erheblichen Defizit an Parkmöglichkeiten. Eine Studie der Architekten zeigte, dass zusätzliche Stellplätze auf dem verfügbaren Grundstück nur schwer zu realisieren waren. Die Erweiterung der vorhandenen Tiefgarage war zwar möglich, hätte aber zu komplizierten und zeitaufwendigen Tiefbaumaßnahmen geführt. Auch die Errichtung eines konventionellen Parkdecks auf dem beengten keilförmigen Grundstück wurde erwogen, hätte aber ein unwirtschaftliches Verhältnis von Verkehrs- zu Stellflächen bedeutet. Die Lösung war ein Parkregal, das die Stapelung der 124 benötigten Stellplätze auf einer nur 315 m² großen Grundfläche ermöglichte. Außerdem konnte durch die weitgehende Vorfertigung die Montagezeit verkürzt und die Baustelleneinrichtung minimiert werden. Vorteile, die den Bauherren von der vergleichsweise teuren Lösung – ein Stellplatz kostet ca. DM 40.000 – überzeugten. Auf sieben oberirdischen und zwei unterirdischen Geschossen werden die Pkw geparkt. Mittels einer Magnetkarte öffnet sich das rote Tor auf der Zufahrtsseite. Das Auto wird auf der Palette abgestellt, über Sensoren vermessen und dann, nachdem der Fahrer das Gebäude verlassen hat, horizontal oder vertikal auf den nächstgelegenen freien Platz geschoben. Auch beim Abholen des Autos steckt der Fahrer seine Chipkarte ein, und der gleiche Vorgang geschieht in umgekehrter Richtung. Den Reiz des Gebäudes macht die rundum erlebbare Mechanik des Systemregals aus, die an allen Seiten offen gezeigt wird. Eine einfache Glashaut mit der aufgedruckten Anschrift »Posenerstraße 1« schützt vor Wind und Wetter. Die Fassade ist vor die massiven Stützen des Regalsystems gehängt, folgt jedoch nicht dessen Achsmaßen. Auch die mattierten Scheiben über den Zufahrtstoren zeigen die Asymmetrie des Gebäudes. Die gekonnt eingesetzten Achsbrüche führen zu einem spannungsvollen Erscheinungsbild und machen das Gebäude zum interessanten Stadtmöbel.

Parkregal in Sindelfingen
© Werner Huthmacher