Die 1942 von Karl Beer entworfene Mehrfamilienhaussiedlung »Tivoli« am Bahnhofsplatz der Schweizer Stadt Chur ist ein unscheinbares, aber in der räumlich nicht klar definierten Umgebung städtebaulich erhaltenswertes Gebäudeensemble. Die klein geschnittenen Wohnungen entsprachen jedoch nicht mehr dem Standard und waren deshalb schwer zu vermieten. Daher sollten sowohl die Wohnungszuschnitte den heutigen Bedürfnissen angepasst als auch die baugesetzlich überholten Treppenhäuser auf den neuesten Stand gebracht werden. Wegen der zentralen Lage der Siedlung erschien es außerdem sinnvoll, Gewerbe- und Büroflächen zu integrieren und die Nutzungen auf der vorhandenen Grundfläche zu verdichten. Dies führte dazu, dass die Altbauten sorgfältig restauriert und die drei einzeln stehenden Gebäude in den Zwischenräumen durch Neubauten ergänzt wurden. So umfasst der nun geschlossene Blockrand einen begrünten Innenhof. Durch die Auslagerung der Treppenhäuser konnte zusätzlich Wohnraum geschaffen werden. Im Hof zeigt das Gebäude dann auch sein gänzlich neues Gesicht, denn hier entstand eine zweite Schicht in Form eines Loggienanbaus vor der ursprünglichen Fassade. Daraus ergab sich, abgesehen vom Gewinn an Raum und Wohnqualität, die Möglichkeit, die alte Fassade mit einer außen liegenden Dämmschicht zu versehen sowie den Vorbau als Pufferzone zu nutzen und so die Energiebilanz des kompakten Baukörpers erheblich zu verbessern.
