Eine Fassade kann transparent sein, die innere Struktur von außen sichtbar machen und den Besucher auf das vorbereiten, was ihn im Inneren erwartet. Bei der monolithischen Hülle des MUMOK (Museum für Moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien) haben die Architekten jedoch eine gegensätzliche Strategie verfolgt. Der Baukörper ist soweit wie möglich abstrahiert, sämtliche Elemente eines gewöhnlichen Hauses, wie die Trennung von Dach und Wand, maßstabsbildende Fensterformate und deutlich erkennbare Eingänge, sind aufgegeben. Außergewöhnlich ist auch die Lage dieses Neugierde weckenden Gebäudes, das wie ein Findling schräg in die barocke Umgebung des Wiener Museumsquartiers gestellt wurde (s. Das Museum ist einer von drei monolithischen Baukörpern, bei denen Dachflächen und Fassaden identisch behandelt sind. Die Haustechnik ist von außen unsichtbar – unter einem Stahlrost – bündig in die Dachfläche integriert. Den Aufsichten wurde besondere Sorgfalt gewidmet für den Fall, dass der zunächst verhinderte »Leseturm« doch noch realisiert wird. Die Farbpalette der Neubauten und Bodenbeläge wurde auf die vor Ort vorhandenen hellen Töne der Putzfassaden, die Ziegelfarbe der historischen Dächer und das Anthrazith der Asphaltflächen reduziert. Ein mit weißem Muschelkalk bekleideter Würfel beinhaltet die Sammlung Leopold, rote Klinkersteine überziehen Dach und Fassaden der Kunsthalle, während die Fassaden und die Dachfläche des MUMOK aus Eifel-Basalt bestehen. Der diamantgesägte Stein hat eine poröse aber glatte Oberfläche, die sich bei Regen von flimmerndem Anthrazith in tiefes Schwarz verwandelt. Als dialektisches Gegenstück zur Sammlung Leopold steht das Museum nicht mit einem schweren Sockel fest auf dem Platz, sondern scheint sich aus einem bei Nacht beleuchteten Graben empor zuschieben. Von besonderer Raffinesse sind der Fugenschnitt der Steine und die dezenten, je nach Bedeutung differenzierten Öffnungen. Die Plattenformate werden nach oben hin größer, was der natürlichen Perspektive entgegenwirkt. Diese Irritation wird durch die Eckausbildung noch verstärkt. Auf Platzniveau sind die Gebäudekanten mit einem Radius von 30 cm abgerundet, nach oben hin wird die Krümmung immer enger, bis an der Traufkante ein rechter Winkel erreicht wird: Die Fassade scheint leicht überzuhängen. Bei den Außenfassaden wirken die 10 cm dicken Steine wie eine aufgemauerte Massivwand, sie sind jedoch mit Ankern vorgehängt und in den Lagerfugen dauerelastisch verfugt. In der 41 Meter hohen Eingangshalle wurden 5 cm dicke Steine verwendet, die Gehrungsfugen zur Gipskartondecke lassen hier den Basalt wie eine dünne »Tapete« erscheinen. Der einzige Ausblick aus dem introvertierten Gebäude ist dem obersten Ausstellungsraum vorbehalten. Dort gibt ein Panoramafenster den Blick über die Dächer der Stadt frei.
