Das Stadtbild des oberitalienischen Varanowird seit Jahrhunderten von dem 160 m steilabfallenden Hügel mit den Ruinen des Castello und den Überresten des Palazzo Pallavicini am Talboden bestimmt. Genau in der Blickachse zwischen diesen zwei Monumentenliegt der Lebensmittelladen, der mit seiner groben Stahlbetontonne aus den sechziger Jahren dem Anspruch dieser exponiertenStelle bisher kaum gerecht wurde. Mit einer für die Gegend typischen Ziegelverblendung wurde das Gebäude in den historischen Kontext gestellt. Der Stadt zugewandt, vermitteltder geschlossene Kubus des neuen Lagerszwischen den kleinmaßstäblichen Nebengebauden des Palazzo und den größeren Baumassen des Castello. Die abstrakten Wandflächen leben von den Proportionen und der regelmäßigen Struktur von Stein und Fuge. Ganz im Gegensatz dazu ist die dem Castello zugewandte Fassade stark plastisch ausgebildet. Die horizontal zwischen Säulengang und Architrav zweigeteilte rhythmische Gliederung spielt mit dem positiv-negativ Kontrast voll Pfeiler und Nische und ist von den seitlichen leicht vorstehenden Wandscheiben eingerahmt. Ein durchlaufender Stahlträger spannt über die massiven Mauerwerkspfeiler und trägt die hinzugefügte Betonplatte des Vordaches. Durch diesen Portikus ergibt sich eine geschützte Vorzone und die Fassade wird allein von der Ziegelarchitektur bestimmt, während die bunten Schaufenster inden verschatteten Hintergrund treten.
