Technik: Skisprungschanze in Willingen

Nachdem die bestehende Skisprunganlage sowie die gesamte Infrastruktur nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprachen, entschied sich der Skiclub Willingen im Hochsauerland kurz vor dem Weltcup im Februar 2000, die Anlage nach dem Wettkampf abzureißen. Zum nächsten Springen im Februar 2001 mussten eine neue Schanze mit zukunftsweisender Sprunggeometrie sowie ein Skistadion für über 38.000 Zuschauer fertiggestellt sein. Aufgrund der sich ergebenden kurzen Bauzeit wurden parallel zu bearbeitende Einzelabschnitte definiert. Produktions-, vor allem aber sprungtechnische Fragen klärte man vor Ort mit Hilfe eines 1:1-Modells der Anlaufspur, entlang der sogenannten Gradiente. Diese vorberechnete Linie im Raum, speziell auf den modernen V-Sprungstil abgestimmt, gibt die Form der Schanze vor. Im nächsten Schritt wurden die Fundamente, der untere, im Hang integrierte Teil des Anlaufs samt Schanzentisch, das Basisgebäude und der zu den Tribünen hin verglaste Aufzugturm errichtet. Gleichzeitig wurde der eigentliche Schanzenturm mit gläserner Kanzel und dem oberen Teil der Anlaufspur als filigrane Stahlkonstruktion in mehreren Abschnitten vorgefertigt. Entlang des extrem steilen Anlaufs wurden sämtliche Tragglieder bis hin zum transparenten Windschutz rechtwinklig zur Spur, und damit auch im Werk senkrecht stehend, angeordnet und so der Herstellungsaufwand – insbesondere bei Schweißnähten und späteren Einbauteilen – minimiert. Konstruktiv schlüssig, steigert dies optisch die Dynamik des Turms. Die auf dem Schanzenkopf thronende, außerhalb der Wettkämpfe öffentlich zugängliche Kanzel dient als Aufwärmraum für die Springer, darunter verbirgt sich eine Garage für die Schanzentechnik. Mit Schwertransportern nach Willingen gebracht, wurde die vorgefertigte Stahlkonstruktion vor Ort montiert, dann auf die zuvor errichteten, mittels Seilen gesicherten Stützen gehoben und kraftschlüssig mit dem aussteifenden Aufzugturm verbunden.

Technik: Skisprungschanze in Willingen
© Stefan Schilling