Universitätsbibliothek in Utrecht

Der Universitätscampus Uithof im Südosten von Utrecht ist wegen seiner zeitgenössischen Architektur über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Im Laufe der letzten Jahre sind dort in lockerer Bebauung spektakuläre Gebäude entstanden. Basierend auf einem Masterplan von Rem Koolhaas wurde das Gebiet inzwischen nachverdichtet – nur das Zentrum fehlte noch. Diesen architektonischen Schwerpunkt bildet seit September 2004 ein von außen massiv erscheinender, dunkel schimmernder Kubus: die neue Bibliothek von Wiel Arets. Über eine Brücke mit den Nachbargebäuden verbunden und gestalterisch mit dem neuen Parkhaus zu einem Ensemble zusammengefasst, wirkt der mächtige Baukörper trotz der physischen Dominanz nicht als Solitär. Ein Auditorium, Läden und eine Espressobar binden die Bibliothek in das Leben auf dem Campus ein. Vor allem aber der Erlebnisraum des bis zu 33 Meter hohen Lesesaals, der bis in die späten Abendstunden geöffnet ist, macht das Gebäude zu einem beliebten Treffpunkt am zentralen Platz der Hochschule. Auch die Fassade ist keinesfalls hermetisch. Ein abstrahiertes Motiv von Weidenzweigen gibt den Betonflächen als Relief eine haptische Qualität, den Verglasungen verleiht es als Siebdruck Tiefe. Koolhaas’ Leitbild der »Kashbah«, einer verdichteten nordafrikanischen Speicherburg, haben die Architekten vom Städtebau auf die räumliche Gestaltung des Gebäudes übertragen: Die erforderliche Magazinfläche ist auf einzelne Depots verteilt, die zwischen Leseplattformen wie »Wolken« in dem kubischen Baukörper schweben. Schwarze Wände sollen die Konzentration beim Lesen fördern, der offene Raum und die großen Glasflächen sorgen für eine helle Atmosphäre, die zur Kommunikation anregt.

Universitätsbibliothek in Utrecht
© Jan Bitter