Zwei Zugstunden von Dublin entfernt liegt das kleine Städtchen Waterford idyllisch am Flussufer des Suir. Es gibt dort einige Museen, eine Glasfabrik, eine kleine Fußgängerzone, ein paar Touristen und seit kurzem eine neue oder vielmehr »erneuerte« Bibliothek. Mit viel Gespür für die alte Substanz bauten die Architekten die 1905 dort eröffnete Carnegie-Library um, ergänzten einen Neubau und erweiterten so die Grundfläche von 730 auf 2100m². Alt und Neu sind an der Fassade deutlich in Formensprache und Materialwahl ablesbar. Auch im Inneren machen Sichtbetonwände und die schwarze Walnussverschalung die neuen Gebäudeteile leicht erkennbar. Das dunkle Holz und die Ledersessel im hellen Atrium lassen eine angenehme Atmosphäre entstehen, in der sich Menschen aller Altersstufen morgens treffen, um Zeitung zu lesen und Kaffee zu trinken. Kinder nehmen an den zahlreichen angebotenen Veranstaltungen teil, Jugendliche hören CDs und junge Erwachsene nehmen die Gelegenheit wahr, kostenlos im Internet zu surfen oder am Computer zu arbeiten. Natürlich kann man auch Bücher ausleihen, der Freihandbereich mit rund 74.000 Medien ist locker auf alle vier Geschosse verteilt. Jede Zone hat eigens angefertigte und genau auf den jeweiligen Zweck abgestimmte Sitzmöbel und Regale, in welchen verschiedene Themenbereiche präsentiert werden. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die meisten Menschen die Bibliothek nicht besuchen, um ein Buch mit nach Hause zu nehmen, sondern sie kommen, um es gleich vor Ort zu lesen, um sich zu treffen, zu unterhalten, sich ganz einfach in »ihrer« neuen Bibliothek aufzuhalten.
