Im Jahre 1592 gegründet, ist das Trinity College die älteste und angesehenste Universität Irlands. Sie liegt direkt im Stadtzentrum in einem Park und umfasst neben verschiedenen Fakultätsgebäuden auch mehrere Bibliotheken. Die berühmteste ist die aus dem Jahr 1732 stammende Old Library, in der das Book of Kells ausgestellt ist, eine aus dem 9. Jahrhundert stammende Abschrift der Evangelien und heutige Touristenattraktion. Weitere Bibliotheken kamen in den 60er- und 70er-Jahren hinzu: die Berkeley und die Lecky Library. Aufgabe des 1998 ausgeschriebenen Wettbewerbs war es, diese beiden Bauten durch eine neue Bibliothek, benannt nach dem Erzbischof James Ussher, mit angegliederter Bücherrestauration zu verbinden. Der Zugang zum Neubau sollte über die Berkeley Library erfolgen, um die Buchkontrolle an einer Stelle zu bündeln und die Touristenströme zur Old Library von den Studentenwegen zu entflechten. Gelöst haben die Architekten diese knifflige Aufgabe mit einem ausgedehnten Sockelbau auf Parkebene, der an die beiden Bestandsbauten andockt. Auf diesem Sockel stehen drei mit Granit bekleidete Baukörper mit jeweils unterschiedlichem Inhalt: das niedrigere Werkstattgebäude für die Buchrestauration, der sechsgeschossige Bücherturm sowie der etwas niedrigere Bau mit den Leseplätzen. Von der Straßenseite päsentiert sich die Bibliothek skulptural und geschlossen. Lediglich ein paar schmale Lichtschlitze rhythmisieren die Fassade. Der Universitätscampus liegt tiefer als die Straße, sodass die Bibliothek hinter dieser zu versinken scheint. Zur Parkseite ist die Fassade offener gestaltet, um den Lesern einen Ausblick ins Grüne zu bieten. Der Eingang liegt ein Geschoss über Parkniveau. Zuerst muss der Besucher die Berkeley-Bibliothek durchqueren, bevor er über eine Treppe hinab in einen Orientierungsbereich steigt, den eine große Lichtpyramide erhellt. Von dort aus erreicht er entweder die Lecky Library oder die Verwaltungsbereiche der neuen Ussher Library. Per Lift oder Treppe gelangt er hinauf in den Bücherbereich. Dieser ist durch ein achtgeschossiges Atrium von den unterschiedlich gestalteten Leseplätzen abgekoppelt. Verbunden sind die beiden Bereiche über Brücken entlang der Fassaden. Die Bücherregale mit Seitenwänden aus Walnussholz sind an die Brüstung gerückt und strukturieren den Raum – ein Gestaltungselement, das der Old Library entlehnt ist. Walnuss wurde auch für die Möbel verwendet, sonst dominiert roter Teppichboden die Räume. In den beiden Untergeschossen, die durch das Atrium räumlich mit den Geschossen über der Erde verbunden sind, befinden sich Büchermagazine und weitere Leseplätze.
