Ein »roter Drache« hat sich im städtebaulichen Niemandsland der ehemaligen McGraw-Kaserne niedergelassen, die seit 1992 für Beamtenwohnungen genutzt wird. Den anschaulichen Namen »Red Dragon« hat die Jugendfreizeitstätte ihrer ungewöhnlichen Außenhaut aus rostroter Kunststoffabdichtung zu verdanken, die unverkleidet Fassade und Dach des Gebäudes überzieht. Ab 15 Uhr treffen Jugendliche aus allen Schichten ein, um das vielfältige Angebot des Zentrums zu nutzen. Besonderen Anklang finden die Tischtennisplatte und die ausfahrbare Stereoanlage, an der zukünftige DJs ihr Können erproben. Alle Geräte verschwinden nach Gebrauch in den eingebauten Wandschränken. Da zum Zeitpunkt der Planung die städtebauliche Situation noch nicht geklärt war, wurde ein ortsunabhängiges Gebäude für etwa 10 Jahre entwickelt. Ausgeführt wurde es in Holzständerbauweise auf zwei Streifenfundamenten. Boden, Decken und Wände des Innenraumes sind mit Sperrholzplatten ausgeschlagen. Die Gruppenräume öffnen sich mit einer langen Fensterfront nach Süden, während die Nebenraumzone im Norden den Rücken des Baukörpers bildet. Über dessen Fensterband ragt lediglich eine Tropfnase hervor. Die Eingänge befinden sich an den Schmalseiten des Baus im Schutz überdachter Terrassen, wo Sitzgelegenheiten in Form einer Treppe oder eines halbhohen Gebäudesockels zum Verweilen einladen. In Workshops hatten die Jugendlichen den Wunsch nach einem Amphitheater geäußert. Die Architekten kamen diesem Anliegen in Zusammenarbeit mit dem Künstler Hermann Hiller (»Freie Klasse München«) mit der Realisierung eines Freilufttheaters nach. Mit etwa 30 ausgemusterten Sitzschalen des Münchner Olympiastadiums konnten die Kosten gering gehalten und dennoch ein orginelles Ergebnis erzielt werden. Die »Doppelstühle« ragen in lockeren Reihen aus dem Grashügel neben der »Bühne« und werden auch ohne Vorstellung gerne von den Jugendlichen genutzt.
