Dänisches Schifffahrtsmuseum in Helsingør

 - Frank Kaltenbach

Auf einer Landzunge, die in Sichtweite des schwedischen Ufers in den Oresund hinausragt, beherrscht das dänische Schloss Kronborg über Jahrhunderte das Nadelöhr zwischen Nord- und Ostsee. Seit seiner Gründung im Jahr 1915 war das Dänische Seefahrtsmuseum hier beheimatet. Als Schloss Kronborg – auch bekannt als Schauplatz von Shakespeares Hamlet – im Jahr 2000 auf die Welterbeliste gesetzt wird, muss das Museum einen neuen Standort suchen. Die Wahl fällt auf ein 60 Jahre altes, aufgelassenes Trockendock vor den Bastionen. Um die Sicht auf das Schloss zu wahren, schreibt die UNESCO eine Höhe von maximal einem Meter vor. Entgegen den Wettbewerbsvorgaben plant das Büro BIG die Baumassen nicht inmitten des 150 m langen, 25 m schmalen Bassins. Stattdessen organisieren sie die Räume großzügig rund um das leere Dock, erhalten und inszenieren es so als windgeschützten Innenhof und zugleich größtes Ausstellungsstück, das den Maßstab des Schiffbaus eindrucksvoll vermittelt. Wie ein leerer Wassergraben trennt es nun Kronborg von der Stadt; die Brücke darüber mussten die Architekten im Entwurf berücksichtigen. Direkt neben dieser Verbindung beginnt schon der Rundgang: Eine schräg über das Dock verlaufende Rampe, die an der gegenüberliegenden Betonwand abknickt, führt barrierefrei zum Haupteingang hinab. Sobald Besucher Kasse und Shop passiert haben, dreht der Weg nach rechts und verengt sich dramatisch am »Bug«. Auch durch das Museum hindurch folgt die Route einer langen Rampe, die sich um das Dock herum windet – mit Ausnahme des auf dem Niveau des Dockbodens am »Heck« platzierten Cafés gibt es kaum ebene Flächen. Dies schafft ständig wechselnde Raumproportionen zwischen den sich kontinuierlich aufweitenden Längswänden. Auf einer Galerie oberhalb des Cafés, wo der rohe Beton aus nächster Nähe auch im Inneren erlebbar wird, befindet sich der zweite Wendepunkt. Am Ende des Rundgangs ragt eine Treppe auf »wie eine Bugwelle«, so die Architekten – mit breitem Sockel, der sich nach oben kontinuierlich verjüngt.

Dänisches Schifffahrtsmuseum in Helsingør
© Frank Kaltenbach