Diskussion: Auf den zweiten Blick – St. Pius-Kirche in Meggen

Dem flüchtigen Autofahrer wird bei der Ortsdurchfahrt von Meggen, einer Nachbargemeinde von Luzern, die Kirche St. Pius nicht weiter auffallen. Bei einer Begehung verblüfft jedoch die Intensität, die die gesamte Anlage nach wie vor ausstrahlt. Die geometrische Strenge und die Klarheit der Proportionen verhelfen dem Bau, sich vor der gewaltigen Bergkulisse des Vierwaldstätter Sees und inmitten der heterogenen Wohnbebauung zu behaupten; das Weiß des Marmors scheint einen Dialog mit den entfernten Gletschern einzugehen. Im Innenraum setzt sich diese Dialektik fort durch den Kontrast zwischen dem Rhythmus der 74 scharfkantig gewalzten Stahlstützen und der malerischen Struktur der Wandfüllung aus Naturstein. Die von außen reinweißen, polierten Wände leuchten von innen morgens bläulich und bei Abendsonne honiggelb und strahlen mit ihrer samtrauen Oberfläche eine starke emotionale Wärme und stoffliche Präsenz aus.

Diskussion: Auf den zweiten Blick – St. Pius-Kirche in Meggen
© Frank Kaltenbach