- Frank Kaltenbach
Das Richti-Areal, eine ehemalige Industriefläche mit inzwischen 1200 Bewohnern, 3000 Büroarbeitsplätzen und zahlreichen Läden und Restaurants am nördlichen Stadtrand von Zürich, ist vor allem durch die direkte Anbindung an den Züricher Hauptbahnhof und den nahen Flughafen mit neu geschaffenen Bus- und Tramlinien attraktiv. Der städtebauliche Entwurf von Vittorio Magnago Lampugnani orientiert sich am Ideal der steinernen Stadt des 19. Jahrhunderts mit Blockrandstrukturen. Anstelle massiver Lochfassaden bevorzugt Wiel Arets, der Architekt des dominierenden Hochhauses und einer von insgesamt sechs Blockrandbebauungen, jedoch nutzungsneutrale transparente Gebäudehüllen (s. S. 686ff.Um den Passanten und Bewohnern auf der gegenüberliegenden Straßenseite trotz Glasfassade einen wohnlichen Anblick zu bieten, entwickelte er gemeinsam mit dem Fassadenbauer eine Lösung, bei der Vorhänge zum bestimmenden Gestaltungselement werden. Das Ergebnis intensiver Testreihen ist eine Neuinterpretation der »Closed-Cavity-Fassade« – abgeschlossene hochdämmende Kastenfenster-Elemente, deren Zwischenraum von getrockneter Luft durchströmt wird. Im Gegensatz zu Doppelfassaden mit Öffnungen zur Außenluft gelangt kein Schmutz oder Staub in das Kastenelement, auch der Niederschlag von Kondenswasser im Fassadenzwischenraum wird verhindert. So müssen die zum Zwischenraum orientierten Verglasungen nicht gereinigt werden und auch der Reflexionsgrad des innen liegenden Sonnenschutzes bleibt über viele Jahre ohne Wartungsaufwand erhalten (s. DETAIL 4/2011, S. 404ff.Als integrierter Sonnen- und Blendschutz werden hier erstmals Vorhänge mit einer hochreflektierenden Aluminiumbedampfung eingesetzt. Bei geöffneten Vorhängen wirkt die Fassade von innen trotz der Elementdicke von 300 mm wie eine dünne Membran. Sobald die Sonne auf die Fassade trifft, schließen sich die transluzenten Vorhänge und die Außenansicht wandelt ihr Erscheinungsbild.
