- Sabine Drey
In den frühen 1950er-Jahren, kurz nach Gründung der Volksrepublik China, entstand in Peking der industrielle Bezirk »Dashanzi« als autonome Einheit mit Arbeitsplätzen, Wohnraum und Infrastruktur. Heute verlagern viele der Industriebetriebe ihren Sitz an den Stadtrand, während die kleinmaßstäblichen alten Fabriken in kulturelle Quartiere verwandelt werden. Der Komplex der ehemaligen Offset-Druckerei im »Kunst-Distrikt 798« wuchs im Lauf der Jahrzehnte in zahlreichen Etappen zu einem heterogenen Konglomerat an. So bestand die erste Aufgabe des mit dem Umbau betrauten chinesischen Architekturbüros Origin Architect darin, störende Einbauten zu entfernen, die ursprünglichen Ziegelfassaden freizulegen, den Bestand behutsam zu renovieren und zu ergänzen. Auf den Fundamenten maroder Gebäudeteile wurde das »Herzstück« der Anlage errichtet: ein multifunktionales Theater, das den industriellen Charme der umgebenden Bauten adaptiert. Nicht umsonst nennen es die Architekten die »Lagerhalle« und verkleideten die einfache Stahlstruktur mit voroxidiertem Stahlblech. Die Halle definiert zwei Höfe, um die sich Verwaltungseinheiten, Lager und Technikräume gruppieren, untergebracht in den alten Gebäuden. Öffentliche und halböffentliche Bereiche setzen sich auf allen Ebenen fort: Ein System von Treppen und schwebenden Stegen aus Stahl macht die Dächer als Terrassen nutzbar und erweitert so die Grundfläche der Anlage. Die urbane Teppichstruktur der umliegenden Hutongs mit engen Gassen und Höfen spiegelt sich in einer modernen Interpretation mit lichter, luftiger Atmosphäre erkennbar im Komplex wider. Die freigelegten Fassaden, der neue Ziegelboden in den Höfen und die ebenfalls rotbraunen voroxidierten Stahlkonstruktionen führen zu einer homogenen, harmonischen Einheit. Ganz im Sinne des städtebaulich geprägten Gesamtkonzepts kann das Theater zum Hof hin erweitert werden. Bei offenem Falttor an der Stirnseite des Baus verwandelt sich die »Black Box« in eine Bühne im urbanen Raum.
