- Frank Kaltenbach
Trotz des großen Schaufensters zum Wohnraum und des Garagentors aus transluzentem »Plastik« fügt sich das Experimentalhaus, das der Architekt selbst bewohnt, in die gediegene schwäbische Hangsiedlung ein. Das Grundstück liegt auf einer ehemaligen Erschließungsstraße; nach Abzug des seitlichen Grenzabstands von 2,50 Metern bleiben für das Gebäude gerade mal 4,70 Meter Breite. Um so wenig wie möglich Nutzfläche zu verlieren, entscheiden sich die Architekten für einen dünnen Wandaufbau mit einem guten U-Wert, der über die Längsfassaden Tageslicht in die tiefen Grundrisse dringen lässt und zudem äußerst kostengünstig ist. Die weißen, 60 Millimeter dicken Stegplatten aus Polycarbonat lassen durch ihren Reflexionsgrad das Haus von außen noch schmäler erscheinen als es ist. Im Inneren wirken sie wie eine Membran, auf der sich am Morgen im Esszimmer die Silhouetten der Bäume abzeichnen. Bei Abendrot leuchtet dagegen das Wohnzimmer in den Farben des Himmels auf. Um den Schallschutz bei Regen und Hagel zu optimieren, haben die Bewohner auf der Innenseite versuchsweise eine zweite 40 Millimeter dicke Schale ergänzt. Die großen stützenfreien Öffnungen der Längsfassaden werden von wandhohen Stahlbetonträgern überspannt, die durch die Betonbrüstung der Galerie, die Geschossdecken und die massive Dachscheibe zur Aussteifung verbunden sind.
