- Frank Kaltenbach
Wie eine Kette aus Diamanten schimmern am Abend die Stirnseiten der Nordsheds aus gazegefülltem Profilbauglas. Im Empfangsgebäude gleicht die zweigeschossige Halle mit ihrer plastischen Wandgestaltung, Lounge-Sesseln und flexiblen Computerarbeitsplätzen eher einer Hotellobby als einer Fabrik. Bisher hatte der Spezialist für Hydraulikkomponenten sein umsatzstärkstes Produkt an verschiedenen Standorten gefertigt, mit erheblichem Aufwand für Transport und Logistik. Die Zusammenführung des gesamten Produktionsablaufs erforderte eine Nutzfläche von 50.000 Quadratmetern mit möglichst weiten Stützenabständen, um die Maschinen im Bedarfsfall flexibel umgruppieren zu können. Der Wettbewerbsentwurf mit sechs Hallen wurde überarbeitet. Jetzt sind vier Produktionshallen windmühlenartig um einen grünen Innenhof organisiert. Die Baumasse integriert sich überraschend gut in die leicht hügelige Landschaft des Voralpenlandes. Jede Halle ist ihrer Nutzung im Produktionsablauf entsprechend optimiert, könnte bei Bedarf aber auch unabhängig vermietet werden. Energieeffizienz steht an erster Stelle: Der Warenein- und -ausgang ist komplett witterungsgeschützt und über eine thermische Schleuse an die jeweilige Halle angeschlossen. Auch die Verbindungen zwischen den Hallen, in denen die Metallrohlinge gefräst, entgratet, korrosionsbeständig behandelt, montiert und verpackt werden, erfolgen über Schleusen. Sie dienen auch als Windfang der dezentralen Eingänge für die Mitarbeiter, deren Wege durch Bodenmarkierungen von den Fahrwegen der personengeführten Routenzüge getrennt sind. Sämtliche Medien verlaufen über die Decke. Die Hallentragwerke bestehen aus Stahlbeton-Fertigteilen, während die Verbindungsbauten in einer hochwertigen Sichtbetonqualität vor Ort geschalt wurden. Die verglasten Büros der Produktionsplaner liegen zwischen Halle und Innenhof. Darüber sind die Besprechungsräume, Büros und die Kantine. Bei Föhn reicht der Blick von der Dachterrasse bis auf die Allgäuer Alpen.
